Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Leben mit Zilk

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Spannende Zeiten! Im Kino spielte man "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino und "Natural Born Killers" von Oliver Stone; beide wurden im Falter von Klaus Nüchtern entsprechend gewürdigt, Stone sogar mit einem kleinen Interview. Der Regisseur gab Falter-Redakteuren und -Leserinnen ein unschlagbares Rezept für eine bessere Zukunft mit: "Wir brauchen ein sehr stabiles, unausrottbares Anti-Medien-Virus, ein gesundes und starkes Misstrauen und einen ausgeprägten Bullshit-Detektor."

Außerdem versuchte die AUVA gerade, Johannes Poigenfürst, den unbequemen Primar des Lorenz-Böhler-Krankenhauses, rauszuwerfen. Und im Burgtheater präsentierte Wolf Biermann seine Übersetzung von Jizchak Katzenelsons Gedicht "Großer Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk"; Roland Koberg bat Biermann zum spannenden Interview. Auf die Frage, warum er sich nicht als Jude bezeichne, antwortete Biermann, dessen Vater Jude war: "Schon deshalb, weil nach jüdischem Gesetz die Mutter jüdisch sein muss. Alle Menschen, die aus mir einen Juden hätten machen können, sind ermordet worden, zwanzig Menschen aus meiner Familie."

Das alles aber schaffte es nicht aufs Cover des Falter. Von dort lachten die eben zurückgetretenen Castor und Pollux der Wiener Gemeindepolitik, Helmut Zilk und Hans Mayr (übrigens in freigestellten Fotos, mit deren roher Technik die Grafik ihre Verachtung der Redaktion gegenüber zum Ausdruck brachte).

In der Rubrik "Lieber Leser, liebe Leserin" schrieb Doris Knecht: "Jahrelang unterhielt Falter-Chefredakteur Armin Thurnher die Teilnehmer unserer Redaktionssitzungen mit Anekdoten seiner vielen Begegnungen und diversen Zusammenstöße mit Helmut Zilk. Jetzt, da Zilk ultimativ sein Amt niederlegt, möchten wir Ihnen, Leserin und Leser, diese Geschichten nicht länger vorenthalten. Exklusiv im Falter: der Enthüllungsroman ,Mein Leben mit Helmut Zilk' von Armin Thurnher, ein Werk, das zweifellos alle zukünftige Zilk-Rezeption nachhaltig zu beeinflussen imstande ist." So geschah es dann auch.


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