Tiere

Es ist Zeit

Falters Zoo | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014


Als der US-amerikanische Schriftsteller DuBose Heyward 1935 den Text für „Summertime“, die bekannteste Arie aus der Oper „Porgy and Bess“, schrieb, konnte man so etwas noch unbeschwert singen: „One of these mornin’s, you’re gonna rise up singin’ / Then you’ll spread your wings and you’ll take to the sky“. Jetzt steht man zweimal jährlich am Morgen auf und macht sich – weniger singend als stöhnend – auf die Suche nach Uhren, die umgestellt werden müssen. Das Wort „Sommerzeit“ hat keine lyrische Verheißung mehr, sondern wird von zahllosen Studien begleitet, die gleichermaßen Vor- und Nachteile wissenschaftlich bewiesen haben wollen. Obwohl die zentrale Begründung für die Einführung der Sommerzeit die Einsparung von Energie war, ist dies bis heute umstritten. Das deutsche Umweltbundesamt konnte keine positiven Energiespareffekte messen, da die Verringerung des Stromverbrauchs für Beleuchtung durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit „überkompensiert“ wird. Jetzt errechnete das Energieinstitut der Uni Linz wiederum, dass durch zusätzliches Tageslicht im Sommer jeder Haushalt 0,45 Prozent der Stromkosten spart. Nein, kein Kommafehler: 0,45 Prozent. Die London School of Hygiene & Tropical Medicine hingegen sieht in der Zeitumstellung vor allem gesundheitliche Vorteile für Kinder. Begründung: Kinder können länger im Freien spielen, wenn es abends länger hell ist. Ja eh, das überrascht nicht wirklich. Ebenso wie der Umstand, dass Erwachsene offenbar diese zusätzliche Tageslichtfreizeit laut Energieinstitut bevorzugt in ihrem Auto verbringen und nicht Körperfett, sondern nur mehr Benzin verbrennen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum laut einer schwedischen Erhebung die Zahl der Herzinfarkte nach den Zeitumstellungen steigt.

Dabei konnten wir uns in Österreich bislang nicht einmal auf eine gemeinsame Sprechweise für die Uhrzeit einigen: 17.15 Uhr bedeutet im Westen „Viertel nach fünf“, heißt mancherorts auch „Viertel über fünf“ und wird östlich einer unsichtbaren Linie „viertel sechs“ ausgesprochen. Da möchte ich eine Studie lesen, die berechnet, wie viele Stunden Österreicher deswegen zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Zum Glück ist die Schreibweise von Uhrzeiten in Schriftstücken durch die Ö-NORM A 1080 geregelt: Sie empfiehlt, Stunden, Minuten zweistellig anzugeben.


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