Schauspielhaus, die erste: "Motel" - ein Meister des Manierismus verabschiedet sich

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

In ihrer ersten Spielzeit 2006/07 hat Anna Badora den jungen eigenwilligen Ungarn Viktor Bodó für eine Kafka-Dramatisierung verpflichtet. Bodó hatte davor noch nie auf einer großen Bühne inszeniert. Die Faszination ihrer technischen Möglichkeiten wurde zum prägenden Moment für ihn, jede Produktion eine Symphonie der quietschenden Aufzüge und knirschenden Drehbühneneffekte, in der die Darsteller zu Marionetten mutierten.

Seit damals hatte Bodó Jahr für Jahr eine Inszenierung in Graz. Keines anderen Künstlers Entwicklung konnte in der Ära Badora so gut verfolgt werden wie seine. Wobei "Entwicklung" die Sache nicht ganz trifft, denn der Meister ist sich und seinen Mitteln stets treu geblieben: Dem Verfremdungseffekt als illusionistischem Selbstzweck, dem Filmzitat, der verdoppelten Doppelbödigkeit, dem Spiel im Spiel im Spiel und immer wieder der Drehbühne als Metapher einer theatralischen Erzählung, die als unendliche Verkettung der Ideen um sich selbst kreist.

Nun darf Bodó seine Diplomarbeit aufwärmen: "Motel"(7., 8.11., 19.30) ist eine mit dem Autor András Vinnai entwickelte Szenecollage um den titelgebenden Unort. Eine Drohung für Feinde seines Manierismus, Bodó aber feiert so seinen würdig virtuosen Abschluss: "Motel" ist ein Medley aus Selbstzitaten, ein Steckenpferdrennen, ein Karussell komischer Einfälle, ein Kaleidoskop der Erzählfragmente. Zum Ende öffnet der Regie-Zauberer seine Trickkiste, um zu sagen: Schaut! War alles immer schon da! Ja, Graz und Bodó, das war eine überraschende Liebesgeschichte, die fast zur Routine geworden ist. Doch Bodó weiß, wie man schön Schluss macht.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige