Theater Kritik

Veza Canettis tierisches Wien: Ratten und Kröten

Lexikon | Martin Lhotzky | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Sind ja alles Tiere hier! Alexandra Millner versetzt "Die gelbe Straße" aus Episoden des Romans von Veza Canetti zu Musik von Max Nagl in eine Fabelwelt. Die neidische, herrische und "verwachsene" Ladenbesitzerin Runkel ist eine Kröte, die Arbeitsvermittlerin eine Ratte, die Puffmutter ein Schwein, arbeitsuchende junge Mädchen, diesen Bestien ausgeliefert, sind Haserln oder Kanaris. Nur Martina Spitzer tritt als Amalgam aus mehreren Damen bisweilen ganz menschlich vor die dreieinhalb Winzbühnen im Kabinetttheater und kommentiert, Hauptdarsteller sind aber die Puppen, meist Holzfigurinen. Erstaunlichste Szenen: die gelbe Straße aus der Vogelschau mit zwei Todesfällen - sehr viel weniger trist als Canettis Kurzroman.

Kabinetttheater, Fr, Sa 20.00, So 17.00 (bis 7.12.)


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