Wieder gelesen Bücher, entstaubt

"Ich kenne doch die SS"

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

"Ich krieche unter dem Zug durch, unter dem nächsten auch. Ich bin allein." Hermann Langbein glaubte, er sei dem KZ entkommen. Irrtum: "'Was suchen Sie da?' Plötzlich steht ein Unterscharführer vor mir. 'Dort gibt's Zigarren!' Ich zeige hinunter. Und weg ist er. Ich kenne doch die SS." Erst da war er dem KZ wirklich entkommen.

Alfredo Bauer ist den Nazis 1938 nach Argentinien entwischt (siehe große Rezension), Langbeins Leben nahm eine andere Abzweigung. Der Wiener Kommunist Langbein kämpfte in Spanien gegen Franco, flüchtete nach dessen Sieg nach Frankreich, von wo er 1941 nach Deutschland ausgeliefert wurde und ins KZ kam. In seinem autobiografischen Buch "Die Stärkeren" schildert er das Leben in der Nazi-Haft, freilich anders, als man vielleicht glauben könnte.

Langbein war im KZ führendes Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe, die sich im Lager gegen die Nazis organisierte, was sich auf jeder Seite wie ein Politthriller liest. Kurz vor Kriegsende gelang dem 1995 verstorbenen Wiener die Flucht; ein später Triumph über das NS-System. Kommunist blieb er nach dem Krieg übrigens nicht lange, aber das ist eine andere Geschichte.

Hermann Langbein: Die Stärkeren. Ephelant, 320 S., € 22,-


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