Immer schön langsam

Noch ein Imbisslokal, diesmal angeblich mit Slow Food. Wirklich?

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Das Grätzel rund um Hamerlingplatz und Josefstädter Straße dürfte derzeit ein ganz guter Platz für neue Imbisslokal-Start-ups sein. Innerhalb nur eines Jahres haben hier der Leberkäs-Willi, das Deli Bluem und das „Sagt der Igl zum Hasn“ aufgemacht, Coffeeshop Company eröffnete gerade in dem ehemaligen und wunderbaren Buffet Ecke Tigergasse. Da muss man sich schon was überlegen, um seine Nische zu definieren.

Alexander Gadjaj entschied sich bei seinem neuen Limoni’s für die Begriffswolke „Slow Food“. Was sicher keine schlechte Idee ist, schließlich wurde diesem Thema von Zukunftsforscher Matthias Horx der Megatrend-Status zuerkannt, man hat davon gelesen, was es aber eigentlich genau ist, weiß allerdings kaum jemand. Irgendwas Positives, Gesundes, ethisch Okayes halt.

Eh. Gadjaj machte da aus einem ehemaligen Fotogeschäft also ein kleines, hübsches Thekenlokal in freundlichen Farben, weiß gestrichenen Ziegelwänden und nett gemusterten Fliesen, das ungefähr genauso aussieht wie alle hübschen Thekenlokale und Delis, die derzeit aufmachen. Er bietet recht viel Vegetarisches und Veganes an, fein, verzichtet auf Rüben- und Rohrzucker, wunderbar, lässt die Smoothies frisch mixen (und versieht sie leider mit Namen wie „Gute Gundula“, „Frecher Ferdl“ und „Rebellischer Rudi“, die so originell sind, dass es einem die Zehennägel aufrollt …), eh super, kennt ganz viele Lieferanten persönlich, gratuliere, und kocht natürlich mit Granderwasser. Haha, genau.

Nur: Slow Food ist das deshalb noch lange nicht. Weil ein systemgastronomisches Take-away-Konzept mit Sitzplatzoption kann halt irgendwie nicht Slow Food sein. Und ein steirisches Hirsch-Käferbohnen-Chili ist sogar mit ziemlicher Sicherheit nicht Slow Food, wenn es einerseits Dosenmais enthält, die Basis auch irgendwie ein bisschen convenient wirkte und es drittens in der Mikrowelle heiß gemacht wird.

Davon abgesehen, dass ich in dem Napf etwa fünf winzige Stückerln Hirschfleisch fand – zu viel, um gerade nicht vegetarisch zu sein (€ 7,70). Farinata mit Peperonata klang interessant, das ist ein grandioses Kichererbsen-Fladenbrot aus Ligurien, das so authentisch ist, dass es durchaus Slow-Food-Attribute besitzt. Ein solches Brot als Belag für ein Sandwich auszuwählen ist allerdings eine komische Idee, Brot auf Brot quasi, abgesehen davon, dass die Aufbewahrung im Kühlschrank der Farinata jede Knusprigkeit raubte (€ 3,90). Couscous-Salat mit Hirschschinken und Pilzen war okay, leider auch kühlschrankkalt, und wenn es Sterz gewesen wäre und man statt der Shiitake-Pilze lokale Totentrompeten genommen hätte, wär’s sogar ein bisschen Slow Food gewesen (€ 5,50). Aber okay, da versteht wohl jeder was anderes drunter. Im Limoni’s vielleicht, dass man länger warten muss …

Resümee:

Ein neues, frisch-fröhliches Imbisslokal suggeriert Slow Food, scheint die Idee dahinter aber nicht so ganz verstanden zu haben.

Limoni’s
8., Josefstädter Str. 73
Tel. 01/402 56 89
Mo–Fr 7–19 Uhr
www.limonis.at


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