Hilflosigkeit und Wut: Saskia Jungnikls Buch über das Leben mit dem Tod

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Am 6. Juli 2008 schaltet Saskia Jungnikl zum ersten Mal seit vier Jahren ihr Handy nicht an und genießt den Tag im Strandbad Kritzendorf. Es geht ihr endlich wieder einigermaßen gut. Vier Jahre zuvor verstarb ihr Bruder Till; er war durch einen ärztlichen Kunstfehler geistig behindert und das Zentrum der Familie. Erst am nächsten Morgen - es wäre Tills 30. Geburtstag gewesen - sieht sie, dass ihre Mutter versucht hat, sie zu erreichen.

"Papa hat sich erschossen", diese so lapidare wie furchtbare Botschaft, die ihre Mutter ihr am Telefon überbringen muss, ändert ihr Leben für immer. Saskia Jungnikl ist zu diesem Zeitpunkt 27 Jahre alt, und der Suizid erschüttert alles, was sie bisher zu wissen geglaubt hat. Die Rückkehr in das normale Leben erweist sich als genauso schwierig, wie sie es sich in den schwersten Momenten ausgemalt hat.

Schonungslos und berührend beschreibt Jungnikl ihre Ängste, ihre Hilflosigkeit, ihre Wut, Trauer und Verzweiflung. Aber vor allem die Fragen, die sie


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige