"Organisierte Verantwortungslosigkeit"

Der Kriminologe und Organisationsberater Wolfgang Gratz kennt die Gründe für das Chaos im Strafvollzug

Politik | Gespräch: Florian Klenk | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Misshandlungen, Verwahrlosungen, Übergriffe. Seit Monaten steht der Strafvollzug in den Schlagzeilen. In den Justizanstalten hat sich bis jetzt nichts verbessert, aber immerhin, Justizminister Wolfgang Brandstetter setzte eine Reformkommission ein. Einer der Vordenker ist Wolfgang Gratz, 64, einst selbst Anstaltsleiter und nun Organisationsberater. Der Jurist und Soziologe veröffentlichte kürzlich im Journal für Strafrecht eine schonungslose Abrechnung mit dem Justizministerium, dem er im Strafvollzug organisierte Verantwortungslosigkeit vorwarf.

Falter: Herr Gratz, wieso liegt der Strafvollzug so darnieder?

Wolfgang Gratz: Würden Organisationsentwickler den Strafvollzug analysieren, dann würden sie zu dem Ergebnis kommen, dass in diesem System die Erbringung von Qualität höchst unwahrscheinlich ist.

Warum?

Gratz: Man kann eine Organisation nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam regieren. Wenn man allerdings mit dem Management redet, merkt man, dass die "Oberen" genaue und zutreffende


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