Mediaforschung Verführungskolumne

Das Glück ist ein Vogerl und der ORF ein emsiger Vogerlzüchter

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Welches Tier ist kein Raubtier? A: Tiger. B: Antilope. C: Gepard. Der Pensionist im grünen T-Shirt hat von allen fünf Quizkandidaten am schnellsten auf den Knopf gedrückt. Er sagt: "Gepard." Der Moderator antwortet: "Nein, das ist ein Raubtier. Die Antilope ist kein Raubtier."

Willkommen im samstäglichen Vorabendprogramm des öffentlich-rechtlichen Senders, zu "Bingo" auf ORF 2. "Die beliebte Glücks-und Spieleshow" nennt der ORF die Sendung. Ehrlicher wäre: "die halbstündige Werbeeinschaltung für win2day, ein Unternehmen der Österreichischen Lotterien". Es geht dabei ja darum, jene Zuschauer, die sich Bingo-Scheine gekauft haben, glücklich zu machen. Und auch für Spiellustige, die ihr Glück anderweitig suchen, ist der ORF da. Der Samstagabend wirkt, als hätten die Lotterien die teure Sendezeit vor der "Zeit im Bild" zwischen 18.20 und 19.27 Uhr gepachtet. Der ORF-2-Zuschauer sieht: erst "Bingo", dann die Präsentation der "Euromillionen"-Ziehung. Den Glücksritt unterbricht "Bundesland heute", es folgen die "Zahlenlotto"-Ergebnisse. Im Sommer kommt noch die Gelddusche von "Money Maker" dazu.

Wie ist die geballte Ladung an Glücksspielwerbesendungen mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag vereinbar? ORF-Marketingleiter Martin Biedermann sagt, es handle sich gar nicht um Glücksspielwerbunge. Es seien "redaktionelle Sendungen des ORF zur Unterhaltung. In solchen Sendungen ist allfällige Produktplatzierung erlaubt."

Gut gebrüllt, Antilope!


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