Schnovember

Männergesundheit ist wichtig, okay. Aber ein Schnauzbart ist doch keine Opfergabe!

Stadtleben | Stilkritik: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

November wird's. Die Tage werden kürzer und nebliger, die Barthaare länger. Zumindest wünschen sich das jene Aktivisten, die vor ein paar Jahren die Aktion "Movember" ins Leben gerufen haben. In ein paar Worten erklärt, geht es dabei darum, dass sich Männer einen Monat (November) lang einen Schnauzbart (Moustache) stehen lassen, um damit auf den Themenkomplex Männergesundheit (Vorsorgeuntersuchungen) aufmerksam zu machen. Die Herren ("Mo Bros") kultivieren also 30 Tage lang unterhalb ihrer Nasen Schnurrbärte, den Damen ("Mo Sis") fällt die Aufgabe zu, den aufopferungsvollen täglichen Kampf der Männer zu unterstützen sowie Spenden und Bewusstsein zu generieren. So steht es zumindest auf der Movember-Seite im Internet.

Schon klar, das Ganze soll möglichst spaßig und lustvoll sein. Und dass Männer Ärztemuffel sind und eher ins Beisl als zum Urologen gehen, ist auch bekannt. Also nichts gegen Bewusstseinsbildung. Aber. Wieso tun alle so, als sei es so eine Heldentat, sich einen Schnauzbart stehen zu lassen?

Vielleicht war das 1999 noch nicht so, als Movember als Fundraising-Projekt an den Start gegangen ist. Vor 15 Jahren war so ein Flaum auf der Oberlippe möglicherweise noch ein Wagnis und eine gute Möglichkeit, um erst über den Bart und dann eben über das Movember-Thema zu sprechen und Spendengelder zu sammeln.

Dann kamen die Hipster-Jungs, die den Schnauz aus ironischen Gründen trugen, und mittlerweile ist der Bart wieder groß in Mode. In Fernsehserien tragen männliche Hauptfiguren inzwischen Schnauzbärte, ohne dass man sie gleich dem schmierigen Pornogeschäft zuordnen muss ("Pornstache" in "Orange Is the New Black"), junges männliches Partyvolk trägt Schnauzer, ebenso wie Musiker. In den Metropolen widmen sich spezialisierte Geschäfte der Bartpflege ("Grooming), die ersten Herren zwirbeln bereits die Schnauzbartenden keck mit Spezialwachs in die Höhe.

Schnell also noch den Schnauzer wachsen lassen. Bevor er ganz im Mainstream angekommen ist.


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