Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Keine Rettung: Die Wiener verlieren das Palais Strozzi

Politik | Wolfgang Zwander | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Das Palais Strozzi, ein Gründerzeitbau samt großzügigen Parkanlagen im Herzen der Josefstadt, scheint für die Wiener endgültig verloren. Veronika Mickel (ÖVP), Bezirksvorsteherin des achten Bezirks, versucht zwar zurzeit noch mit einer Petition, die Immobilie in öffentlicher Hand zu behalten, doch dabei scheint es sich nur noch um ein Scheingefecht für den anlaufenden Wahlkampf zu handeln.

Dazu muss man wissen: Das Palais Strozzi, einst Sitz des Finanzamts, gehört der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG; sie untersteht ÖVP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner und war auch zuvor im Einflussbereich von ÖVP-geführten Ressorts). Die BIG will das Palais mithilfe eines privaten Investors verwerten, am liebsten in Form von Luxusprivatwohnungen samt dazugehörigen Prunkgärten.

Mickel hat in der Vergangenheit versucht, die BIG über ihre ÖVP-Kontakte von diesem Schritt abzuhalten (zumindest die Grünflächen wollte sie der Öffentlichkeit erhalten).

Weil Mickel damit gescheitert ist, fordert sie nun mit einer Petition die Stadt Wien auf, das Palais zu kaufen.

Ein Sprecher der Stadt Wien lehnte diesen Wunsch gegenüber dem Falter allerdings klar ab: "Eine wirtschaftlich sinnvolle Verwertung ist aus Sicht der Stadt nicht zu erwarten." Das Palais stehe unter Denkmalschutz, was alles noch zusätzlich verkompliziere.

Die SPÖ und die Grünen in der Josefstadt zürnen über Mickels Vorgehen. Die rote Bezirksspitzenkandidatin Gaby Zahrer sagt, der Bund sei die viel größere "öffentliche Hand" als die Stadt, die Wiener dürften nicht den Preis für die BIG-Privatisierungen zahlen. Gemeinsam mit Alexander Spritzendorfer (Grüne), Vizebezirksvorsteher im Achten, will Zahrer erreichen, dass im Palais Strozzi ein Ausbildungszentrum für Kindergärtnerinnen errichtet wird. Dann könne man den Park auch für die Bürger aufsperren.

Die BIG sagt allerdings, sie verhandle bereits mit einem Entwickler. Es sieht also gar nicht gut aus für ein öffentliches Palais Strozzi.


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