Kunst Kritik

Viel Nebel um den gläsernen Bienenstock

Lexikon | NS | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Die Apparatur hat etwas von einem Reifrock, und das ist wohl kein Zufall: In seinem Langzeitprojekt "In Tribute to Madame de Pompadour and the Court of Louis XV" hat Paul Etienne Lincoln Modelle in unterschiedlichen Medien entwickelt, die sich auf die absolutistische Herrschaft am französischen Hof ebenso wie auf die Wissenschaften der damaligen Zeit bezieht. Teile des so umfangreichen wie rätselhaften Projekts werden nun in der Gabriele Senn Galerie als Beitrag zum Galerienfestivals curated_by gezeigt.

Im Mittelpunkt steht ein großer Kegel aus Glas mit technoidem Innenleben, der zweimal bei Performances liefer, aber nun nur auf Fotos und als Bild auf einer Stoffbahn zu sehen ist. Lincoln hat die Plastik als Metapher für den pyramidal organisierten Hofstaat entworfen hat. Bienen und Schnecken spielen dabei eine Rolle, aber aus den Objekten, die in einer Vitrine liegen, erschließt sich nicht, auf welche Weise. Das Herz der aufwendigen Skulptur bildet eine Vakuumkammer, die stellvertretend für die mächtige Mätresse Pompadour fungiert.

Der Kurator Dirck Möllmann geht es in seiner Schau "Das kleine i" um einen Zustand, "außer Kraft gesetzt und gleichzeitig empfindsam zu sein". Wie diese schwebende Situation zu James Cabots Tonskulpturen passt, die in ihrer Form Bevölkerungspyramiden entsprechen, bleibt offen. Besser passt das Konzept der Entgrenzung zu der Satindecke von Lana Čmajčanin, deren eingestickter Text zu hemmungslosem Sex auffordert. Die Künstlerin Saskia Noor van Imhoff hat im Souterrain der Galerie einen Raumbefeuchter installativ selbst gebaut. An die Wände hängt sie farbverfremdete Fotos eigener älterer Arbeiten, und auf einem flachen Podest liegen schlichte Objekte aus Bronze. Die tiefere Bedeutung bleibt indes - wie auch im Rest der Schau - etwas vernebelt.

Gabriele Senn Galerie, bis 8.11.


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