Die Einstimmung auf Wurmlochreisen

Der steirische Maler Josef Wurm zeigt diese Woche unter dem Titel "Fata Morgana" neue Arbeiten in der Kunsthalle Graz

Lexikon | Tiz Schaffer | aus FALTER 44/14 vom 29.10.2014

Mittlerweile sollte klar sein: Es gibt einen Erwin Wurm. Und es gibt einen Josef Wurm. Als sich Josef Wurm Ende der Nullerjahre von der Graffiti-Kunst verabschiedete und sich der Malerei widmete, da signierte er seine Bilder noch mit "Josef Karl Wurm" um Verwechslungen vorzubeugen. Wirklich nötig war das eigentlich nicht, und selbst wenn Wurms Bilder vielleicht Erinnerungen an den irischen Maler Francis Bacon wachrufen - sie sind unverwechselbar.

Wurm wurde 1984 in Fürstenfeld geboren, ist erfolgreicher Abbrecher der Ortweinschule, beendete aber eine Grafikerlehre. Ursprünglich machte er als Mitbetreiber des Grazer Gestaltungsunternehmens Permanent-Unit auf sich aufmerksam, irgendwann aber ertrug er den Geruch, den Spraydosen verbreiten, nicht mehr und sattelte um. Keine falsche Entscheidung: Mit seiner erste Solo-Ausstellung in der Akademie Graz legte der Autodidakt eine ordentliche Talentprobe ab. Mehr als zwei Jahre später kann für die nun anstehende Ausstellung "Fata Morgana", die neue Arbeiten zeigt, zumindest so viel verraten werden: Wurm wohnt heute in Budapest. Und ist seinem Stil treu geblieben.

Seine Arbeitsmethode: Ohne zu wissen, wohin die Reise geht, nimmt Wurm den Pinsel in die Hand und legt los, verzichtet dabei, sich an Skizzen zu orientieren. Und immer wieder übermalt er mit Acrylfarben ein vermeintlich fertiges Bild, so lange, bis Körperteile, Gesichter und Figuratives sich immer stärker in den Hoheitsbereich der Abstraktion verabschieden.

Intuitiv würden seine Bilder entstehen, wie Wurm dem Falter einmal verriet, und dass er keine Ahnung hätte, wie die entrückten Wesen in seinen Kopf und von dort auf die Leinwand kommen. Vielleicht, so seine Vermutung, würden sich Erinnerungen manifestieren. Oder gar ein unmittelbarer Gefühlszustand. Man möchte also nicht genauer wissen, wie es im Inneren von Josef Wurm aussieht. Aber seine Bilder muss man gesehen haben. Und sei es nur, um sich auf eine Zeit vorzubereiten, in der Wurmlochreisen salonfähig werden.

Kunsthalle, Graz, 30.10., 19.00 (Eröffnung)


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