Echt jetzt wieder Filter? Über den neuen Trend zum gefilterten Kaffee

Stadtleben | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Was so überhaupt nicht vorstellbar war, was alle Grenzen einer auch nur ansatzweise akzeptablen Retrobewegung sprengte, wurde Realität: Man trinkt jetzt wieder Filterkaffee. Allerdings hat der nichts mit dem lauwarmen Bittersaft aus der Tröpfelmaschine von früher zu tun. Um die puren, oft erstaunlich fruchtigen Noten von speziellen Plantagenkaffees zu erschmecken, bedienten sich vor 15 Jahren ein paar Amerikaner wieder des Filters. Mittlerweile wurde das einigermaßen zum Kult, japanische Firmen konstruierten spezielle Kannen, mit denen man das heiße Wasser in einer Art Teezeremonie über den Kaffee gießt, spezielle Waagen geben einem Auskunft darüber, ob die Eingießgeschwindigkeit passt, die Filter sind aus gelasertem Metall oder Spezialpapier, individuell für jede Sorte anzupassen.

Der Kaffee, der da so entsteht, sieht eher aus wie Tee, schmeckt nach allerlei getrockneten Beeren, Früchten, Kräutern und Gräsern und wird mitunter sogar in Weingläsern getrunken. Also zumindest, wenn man schon sehr arg drauf ist. Generell wird die neue Filtermethode als je nachdem meditativ oder gesellig gelobt, es ist jedenfalls ein anderes Kaffeetrinken als der Ristretto in drei kleinen Schlucken.

Nachdem die Zubereitung ihre Zeit braucht und auch der Genuss einer Kanne Filterkaffee "neu" nicht so schnell vonstatten geht, wird für eine Kanne etwa zweibis dreimal so viel verrechnet wie für einen Espresso.


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