Buch der Stunde

Pynchon: Ein alter Freak wird langsam milde

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Das Überraschende am Thomas Pynchon der letzten Jahre ist, dass seine Bücher massiv zu menscheln begonnen haben. Aufgrund von Romanen wie "Die Enden der Parabel" bekam der fotoscheue US-Autor in den 1970ern die Stempel "genial" und "schwer zu entschlüsseln" aufgedrückt. Zahllose Literaturfreunde nahmen sich irgendwann vor, Werke von ihm zu lesen, bei weitem nicht alle schafften es.

Spätestens mit seinem letzten Roman, "Natürliche Mängel", änderten sich die Dinge. Die Hippie-Geschichte wartete zwar wieder mit typischen Themen wie Paranoia auf, sie war aber auch von einer überraschenden Leichtigkeit und von Nostalgie geprägt - als würde der Autor in seinen Erinnerungen an das Kalifornien der Sixties schwelgen. Aufgrund seines großartigen Humors, der auch vor den blödesten Witzen nicht Halt macht, funktionierte das jedoch sehr gut.

Bei "Bleeding Edge" liegt der Fall etwas anders. Eigentlich müsste der Roman ein Hauptwerk des Autors sein, dessen großes Thema das Scheitern des amerikanischen


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