25 JAHRE MAUERFALL

Komm zu dir, Papa!

Ich bin ein Kind der Revolution, ich habe die Bilder vom Mauerfall gesehen. Und willst du wissen, was ich da gesehen habe? Na gut, ich sag's dir

Politik | Essay: Krisztina Tóth/Budapest | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Geh, schau, Papa, ich weiß, das hat dich jetzt wieder aufgewühlt, aber es wäre Zeit, alles, was damals war, hinter dir zu lassen. Da war ein Augenblick, und der ist vorbei, fertig. Opas Generation hatte sechsundfünfzig, ihr hattet neunundachtzig. Ihr habt die Grenze aufgemacht und es schien, alles würde sich ändern, ihr könntet das Leben neu beginnen. Dann haben sich die Kraftlinien auf einmal wieder geordnet und alles ist beim Alten geblieben, und ihr kiefelt noch immer daran. Ein Vierteljahrhundert! Komm zu dir, Papa, dein halbes Leben ist vergangen! Was erhoffst du dir eigentlich, was denn?

Du hast nicht recht, mein Leben wäre auch nicht anders verlaufen. Weil, was für ein Problem hätte ich damit? Ich will nicht reisen, ich spreche eh keine Fremdsprache, mir geht es blendend zu Hause mit meinen Haberern. Euer Problem ist, dass ihr nicht auf euren vier Buchstaben sitzen bleiben könnt, dass ihr nie genug bekommen könnt.

Das sehe ich auch, du brauchst dich nicht aufzuregen. Aber


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