Verurteilt: der Jugendvollzug

Der in seiner Haft als 14-Jähriger missbrauchte Kevin W. wurde nun, ein Jahr später, selbst vor Gericht gestellt

Politik | Prozessbericht: Florian Klenk | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Eine vermummte Gestalt betritt den Saal. Würde man diese Erscheinung des Nachts antreffen, man bekäme es mit der Angst zu tun. Als Kevin W. den schwarzen Strumpf abnimmt, kommt ein Milchgesicht zum Vorschein, die Haare vom Kopfpolster zerdrückt.

Der 15-Jährige sitzt ruhig auf der Anklagebank, schlägt sich mit der Hand auf den Kopf. Es brodelt in ihm. Die Richterin sagt: "Entwickeln Sie eine Lebensfreude oder sonst was, aber sitzen Sie nicht nur in der Wohngemeinschaft herum."

Kevin W. nimmt Medikamente gegen Aggressionen. Er ist psychisch krank. Im Gerichtssaal sitzt seine verzweifelte Mutter, neben ihm ein Sozialarbeiter. Es ist ein trauriger Raubprozess - mit einer traurigen Vorgeschichte.

Der Fall hat den Rückzug von ÖVP-Justizministerin Beatrix Karl und Reformen im Jugendvollzug bewirkt. Im Frühjahr 2013 wurde Kevin W. in der Justizanstalt Josefstadt von Mitgefangenen missbraucht, kein Beamter bemerkte es, denn die Zellen waren am Nachmittag für den Nachtdienst versperrt. Jugendrichterin


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige