Enthusiasmuskolumne Diesmal: die beste Funktechnikerin der Welt der Woche

Kein Grab für die schönste Frau der Welt

Feuilleton | Michael Omasta | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Das gilt für Prominente ganz besonders. So berichtete New Yorks deutschsprachige Emigrantenzeitung Aufbau 1947 über die Scheidung der Hollywooddiva Hedy Lamarr von ihrem Mann, dem Schauspieler John Loder.

"Ihre Beschwerde: Loder sei jeden Abend nach dem Essen auf der Couch eingeschlafen. Auch wenn er mit ihr Filmtheater besucht habe, habe er meistens die Filme durchschlafen. Vermutlich sind es Hedy-Lamarr-Filme gewesen." Das ist schon arg gemein. Hedy Lamarr, eigentlich Hedwig Eva Maria Kiesler, wurde vor exakt 100 Jahren, am 9. November 1914, als Tochter eines Bankdirektors und einer Klavierlehrerin in Wien-Döbling geboren. Ihre erste Filmrolle absolvierte sie mit 17 in der Komödie "Geld auf der Straße", zu internationaler Verruchtheit gelangte sie als ehebrecherische Eva in Gustav Machatys "Ekstase" (1933), worin sie in Großaufnahme den ersten Orgasmus der Filmgeschichte spielt.

Die Flucht aus ihrer ersten Ehe (mit dem Fabrikanten Fritz Mandl) und die Flucht ins Exil erfolgen 1937. Hollywoodboss Louis B. Mayer nimmt sie bei MGM unter Vertrag, verpasst ihr den Namen Lamarr und baut sie PR-tüchtig zur "schönsten Frau der Welt" auf. Aus heutiger Sicht ist Lamarr als Schauspielerin nicht annähernd so interessant wie als Miterfinderin einer Funksteuerung, die sowohl Zielfernraketen als auch Smartphones immer noch als Grundlage dient.

Zurück nach Wien hat es Hedy Lamarr bis heute nicht geschafft. Im Jahr 2000 starb sie in Florida. Ihr Sohn, der Mobilfunkhändler Anthony Loder, verstreute die Hälfte ihrer Asche im Wienerwald; die andere Hälfte deponierte er in einem Plastiksackerl bei Freunden - in der Hoffnung auf ein Ehrengrab der Stadt Wien.


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