Panini superleiwand

Der Pfeilheim-Würstelstand brät jetzt italienische Brötchen

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kaum zu glauben, wenn Marc Mathoi sagt, dass es den Pfeilheim-Würstelstand erst seit 1979 gibt. Gefühltermaßen war dieses Standl vor dieser Josefstädter Feuermauer ja schon immer da, aber okay, 1979 ist auch schon 35 Jahre her, also quasi ewig.

Zu dieser Zeit ging Mathoi wohl gerade mal in Innsbruck zur Schule, studierte dann in Wien Handelswissenschaften, was ihn aber vor der letzten Prüfung plötzlich so sehr langweilte, dass er lieber den Fahrradboten gab, zuerst auf Partys ging, dann Partys veranstaltete, Marek’s Garage im MQ machte, den Meierei-Samstag bespielte, ins Flyer- und Plakatbusiness einstieg, Krieg mit der Gewista hatte …

Einmal was Gastronomisches zu machen stand eigentlich auch immer auf der Agenda, grübelt Mathoi, aber den Einstieg in Maria Fuchs’ Pizza Mari’ hatte er irgendwie verpasst und andere Sachen waren ihm zu groß. „Klein anfangen“ lautete das Motto.

Und er fing jetzt wirklich klein an. Mit dem Pfeilheim-Würstelstand,
den er seit einer Woche als „Panini Grill“ führt. Fritter, Siedekessel und Grillplatte räumte er aus, eine funkelnde Rocket-Espressomaschine, ein Bizerba-Schinkenschneider und ein Kontaktgriller kamen rein. Und eine Lampe, die sein Vater, ein Architekt, gestaltet hat und die bei ihm im Elternhaus über dem Esstisch hing. Und DJ DSL sorgte mit einem strahlenden Panini-Grill-Schild für die entscheidende Portion Italianità dieses Würstel-Containers mit den orangen Markisen.

So viel zur Schale. Aber auch bei der Software machte sich Marc Mathoi durchaus so seine Gedanken. Das Bier „Normale“ und ein paar herrliche Softdrinks (Chinotto, Aranciata) bezieht er von einem Traditionsabfüller in Lurisia/Piemont, die brotmäßige Rohware für die knusprigen Piadine und die saftigen Focacce kommt ebenfalls aus Italien, der Kaffee von der malerischen, wunderschönen und uralten Rösterei Ideal Caffè Stagionato aus dem historischen Zentrum Palermos – und genau so schmeckt er auch hier aus der funkelnden Rocket-Espressomaschine im Panini Grill neben dem Pfeilheim. Alle Achtung!

Im wesentlichen bietet der Panini Grill getoastete Focacce und Piadine an, gefüllt mit Prosciutto crudo, Cotto, Coppa, Pancetta oder Salami und/oder Mozzarella, Provolone, Pecorino, Pesto und Rucola (€ 4,30–4,70).

Er sei noch am Experimentieren, so Mathoi, Rucola sei ihm gegrillt eigentlich zu bitter, wie er ihn frisch ins getoastete Brot mit dem geschmolzenen Käse reinbekommen soll, müsse er aber auch noch erarbeiten. Er wird’s wohl schon schaffen. Die knusprige Piadina ist jedenfalls ein wirklich feiner Snack und versetzt einen durchaus ein bisschen in Italien-Stimmung, die Focacce sind flaumig, saftig, großartig, kann man jeden Tag essen. Und damit Wien ein bisschen italienischer machen.

Resümee:

Ein Würstelstand, der zum Panini Grill wird. Nein, da muss man nicht den Verlust der Leitkultur beklagen, sondern die Verbesserung bejubeln.


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