Menschen

Wir sind Helden

Falters Zoo | Karin Wasner, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Seit 1984 gibt es die Goldenen Zitronen. Und während die Kollegen von den Toten Hosen bei so einem Jubiläum auf dicke Hose machen, feierte die Hamburger Polit-Band die ersten 30 Jahre mit gerade einmal zwei Konzerten; einem davon als FM4-Radiosession im Funkhaus. Aber im Gegensatz zu den Toten Hosen sind Schorsch Kamerun und seine fünf Kollegen ja auch keine Punkband mehr. Gleich zur ersten Nummer holte sich Kamerun die Wiener Sängerin Gustav auf die Bühne und meinte danach: "So schön hätte es sein können" - ein gemeinsamer Liederabend mit Frau Gustav nämlich (die dann aber zum Glück noch für eine Zugabe zurückkam). Leider blieb die Veranstaltung mehr Theater als Konzert. Das Publikum blieb trotz mehrmaliger Aufforderung Kameruns, doch zu tanzen, in den schweren Sendesaal-Ledersesseln kleben. Obwohl: Ein Häuflein Bewegungshungriger ließ sich dann doch auf die Bühne bitten und wurde dort alsbald mit Trommeln und Rasseln ausgestattet. Diesen Mittwoch ist das Zitronen-Konzert auf FM4 zu hören und dann noch eine Woche in der Mediathek vorrätig.

Stroboskop und Hall waren die Hauptdarsteller vergangene Woche im Wuk, wo die Raveonettes wieder einmal unser liebes Städtchen beehrten. Schwarz-weiß waren die Klamotten und meist das Licht auf der Bühne. Die beiden Dänen, Gitarrist und Songschreiber Sune Rose Wagner und Sängerin und Bassistin Sharin Foo, sind nun schon über zehn Jahre als Garagenrock-60s-Beat-Duo unterwegs und präsentierten mit gewohntem Understatement, was Bühnenpräsenz betrifft, ihr im Sommer erschienenes Album "Pe'ahi". Zarte Popmelodien versteckten sich an diesem Abend hinter schön verstörendem Geräuschgewitter und nahmen das Publikum mit auf eine düster-süße Reise. Da macht es auch gar nichts, wenn der Großteil der dröhnenden Klangwand aus der Konserve kommt. Seliges Hinauswanken bei allen, die das Blitzlichtkonzert ohne Anfall überstanden haben.

Der Kaffeeröster Julius Meinl ("inspiriert Poeten seit 1862") lud zu früher Stunde zum "Poetry Schlemm" ins Burgtheater, wo Theaterdirektorin Karin Bergmann die Gäste herzlich begrüßte, dann aber schnell durch eine Seitentür verschwand. Schade. Da hat sie nämlich ihren Burg-Star Mavie Hörbiger, Café-Korb-Star Susanne Widl und Bachmannpreis-Star Tex Rubinowitz verpasst, die bei der Aktion "Poeten des Alltags" die Jury darstellten. Werbetexte von der Basis, sozusagen.

Nochmal Kaffee: Der Klub der Wiener Kaffeehausbesitzer ehrte Susanne Widl mit dem "Goldenen Kaffeesiederkännchen". Ebenso wie Honorarkonsulin mit Operettenvergangenheit Birgit Sarata oder Wiens Tourismusdirektor Norbert Kett ner. Wofür? Für ihre Verdienste um das Wiener Kaffeehaus. Jetzt muss nur noch der Kaffee besser werden (siehe Seite 40), dann bekommt das Wiener Kaffeehaus ja vielleicht auch einmal so ein Kaffeekännchen.

Ach, und die Viennale geht diese Woche auch schon ins Finale. Nachdem Björk ja nicht persönlich zum Screening kam, aber dafür wird Pulp-Sänger Jarvis Cocker am Donnerstag erwartet mit Spezialabend und dem Film von und über Cocker: "Pulp". Und Nena (bzw. das Management der deutschen Sängerin) hat ihren für diese Woche geplanten Auftritt in der St.-Marx-Halle aus Gründen um ein Jahr nach hinten verschoben. Das heißt aber auch, dass aus dem geplanten Duett mit Conchita Wurst vorerst nichts wird. Gut für die Wurst. Konnte sie in der Uno-City singen und noch ein bisschen fürs Grazer "Wetten, dass ?" üben. Am Samstag wird dort nämlich ihre erste Single nach dem Song Contest vorgestellt: "Heroes".


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