Tiere

Russen kommen!

Peter Iwaniewicz merkt an, dass die heimischen Taranteln nicht mit den gleichnamigen Arten der Neuen Welt verwandt sind

Falters Zoo | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014


„Die spinnen, die Römer“ ist ein bekannter Stehsatz in der Comicserie „Asterix und Obelix“. Spinnen tun durchaus auch andere Personengruppen, und manche haben sogar welche. So zum Beispiel die Bewohner von Nickelsdorf im Burgenland, wo eine Kindergärtnerin vor kurzem eine vier Zentimeter große Spinne vor ihrem Haus am Boden sah. Sie bugsierte diese in ein Gurkenglas, und eine Expertin identifizierte sie als Südrussische Tarantel. Diese Nachricht löste in allen Chronikredaktionen einen Wettbewerb um die grellste Schlagzeile aus. Die Kleine Zeitung legte vor: „Tarantelinvasion versetzt Nickelsdorf in Schrecken“. Das Gratisblatt Heute legte nach: „Ort von Taranteln überfallen“, und die Krone sah den „Ort nach Tarantel-Invasion in heller Aufregung“ und wusste, dass sich diese Tiere „vor allem von Mäusen ernähren“.

Eigentlich besiedeln diese Spinnen nur verlassene Mäuselöcher und machen Jagd auf Käfer und Bodeninsekten. Aber das würde die p.t. Leserschaft nur verwirren, und außerdem macht so eine Gruselmeldung zu Halloween ja auch viel mehr Spaß. Aber manche Menschen machen nie Witze und nehmen alles ganz ernst, vor allem wenn es in der Zeitung steht. So zum Beispiel der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Josef Riemer, der sofort eine parlamentarische Anfrage an die Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser stellte, da er die Leiber und das Leben der Bevölkerung durch eine aus Südrussland kommende Invasion bedroht sah. Möglicherweise waren da Schlepperbanden im Spiel.

Erste Frage: „Wie kam die russische Tarantel ursprünglich nach Österreich?“ Wurden gar Einbürgerungsanträge gestellt? Frage: „Gibt es seitens Ihres Ressorts Schätzungen, wie viele Exemplare der russischen Tarantel in Österreich beheimatet sind?“ Aber so weit darf es gar nicht kommen. Frage: „Wohin werden die Taranteln abgesiedelt?“ Und: „Werden Ärzte auf die Behandlung der Bisse von russischen Taranteln vorbereitet?“ Darauf die korrekte zoologische Antwort: „Der Biss der Südrussischen Tarantel ist in der gesundheitlichen Auswirkung ähnlich der eines Wespenstiches. Die Tarantel ist daher für den Menschen zwar giftig, Bissattacken sind aber auszuschließen, da die Tiere nicht aggressiv sind.“

Übrigens: Ärzte können jede Art von Wunden behandeln.

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