Zeit am Schirm

TV-Kolumne


Matthias Dusini
Medien | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Keine Sau liest mehr Goethe und Schiller. Sei' s drum, wir können ja über die gestrigen Aufführungen von "Wetten, dass ?" und "Austria' s Next Topmodel" plaudern und unsere Bildung unter Beweis zu stellen, indem wir so nebenbei das frühe Ausscheiden von Helmut Berger aus dem Dschungelcamp erwähnen.

Mit Netflix bekommt der Humanismus der Fernsehcouch einen ernsthaften Gegner. Statt gemeinsam mit Millionen dem Finale von "Voice of Germany" entgegenzufiebern, ziehen sich die Netflix-User in ihre Zelle zurück. Fernsehen steht für Disput und Gemeinschaft, Netflix für Abschottung und Einsamkeit. Das eine ist Nachricht und Aufklärung, das andere Brot und Spiele. Hier geht es um Fähigkeiten, um Singen und das Laufen auf einem Catwalk, hier nur um Anwendungen. Wer Klassiker wie die "Die Geissens" kennt, gehört heute zu einer Elite. Wenn das so weitergeht, wird das Fernsehabendland noch untergehen.


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