Ins Mark

Große Lichtblicke, kleine Lichter

Der Kommentar zur steirischen Woche

Steiermark | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Ja, viele Gemeinden drücken sich noch immer davor, Asylwerber aufzunehmen. Zunehmend gibt es aber auch Lichtblicke: Die Stadt Graz hat sich endlich von der absurden Asylwerber-Obergrenze verabschiedet. Die Diözese Graz-Seckau stellt 250 neue Plätze zur Verfügung. Und in Bruck an der Mur setzten sich Soziallandesrat, Bürgermeister, Pfarrer und Caritas-Direktor gemeinsam vor die Mikros und erklärten, dass in einem Monat 80 Erwachsene mit Kindern aus Kriegsgebieten in einer leerstehenden Schule Quartier finden würden. Sie sagten es frühzeitig und vermieden, dass eine politische Ebene die andere überfährt. Sie argumentierten klar: Die Zahl der Asylwerber "entspricht einem Prozent der Einwohnerzahl, das ist zumutbar", sagte der Bürgermeister. Sie beruhigten: Zehn Caritas-Betreuer würden sich um die Gäste kümmern, für die Bevölkerung sei rund um die Uhr eine Ansprechperson erreichbar.

Einzig die FPÖ schlug Radau. Der Klubobmann, weil das Land heuer - Überraschung! - für mehr Asylwerber auch mehr Geld braucht. Und weil die Region Bruck ohnehin schon so viele Flüchtlinge habe: "Verteilungspolitik gescheitert!" Tatsächlich beherbergen einige Regionen noch besonders wenige Asylwerber. Die Südoststeiermark zum Beispiel. Das will SP-Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser ändern. Doch was ruft FPÖ-Mandatar Walter Rauch ein paar Tage später? In einer Aussendung, gespickt mit Fehlern, enthüllt er, was nach einem Gespräch zwischen Schrittwieser und Bürgermeistern klar sei: "Es sollen 300 Plätze für Asylwerber in der Südoststeiermark zur Verfügung zu stellen (sic!)." Passt auch wieder nicht. Aber die Logik war, wie die deutsche Sprache, noch nie eine blaue Stärke.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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