Vor 20 Jahren im Falter

Lauft schneller!

Wie wir wurden, was wir waren

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Wer sagte diesen Satz: "Wir müssen schneller laufen, um schlanker zu werden"? Nie werden Sie es erraten, es war Georg Springer, Generalsekretär des Bundestheaterverbandes. Anlass: Der Schweizer Unternehmensberater ROI hatte geprüft, "wie zweckmäßig die Liaison Österreichs größter Bühnenhäuser überhaupt sei", also den Bundestheaterverband auf wirtschaftliche Plausibilität geprüft. Vorweg: Die Prüfer befanden die Organisationsform für sinnvoll. Ein anderes Problem ließ sich nicht wegdiskutieren, das Defizit. Es stieg und stieg, und Springers Vorgänger im Amt, der neue Unterrichtsminister Rudolf Scholten, und Springer selbst überboten sich in Fitness-Metaphern. Ein Speckgürtel habe sich angesammelt, den müsse man durch Laufen wieder trachten loszuwerden und so weiter.

Und der Verband läuft und läuft, und der Speck wächst und wächst.

Ein Sonderteil - das hat mit dem Vorhergehenden nichts zu tun - beschäftigte sich mit Psychotherapie, Unterkapitel Trancetherapie, Traumtherapie, Biodanza (Tanztherapie) und vielen anderen Therapien mehr. Andrea Dusl zeichnete die Illustrationen, auf der Aufmacherseite eine optimistische Sonne.

Johannes Poigenfürst, der Chef des Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhauses, Coverheld der Ausgabe, lag im Arbeitskampf mit seinem Arbeitgeber, der Allgemeinen Unfall-Versicherungs-Anstalt. Er kämpfte mit Werner Vogt und anderen gegen das ihnen diktierte Arbeitszeitgesetz; unterstützt wurde er dabei von so gut wie allen Medien, im Fall des Falter von Martin Staudinger, der ihn porträtierte und den Architekturtheoretiker Friedrich Achleitner zitierte: "Er ist ein Mensch, dem der Papp nie ins Hirn gestiegen ist, der die Füße immer am Boden behalten hat."

Und dann gab es etwas Neues: das Internet. Infrastrukturminister Klima gab sich im Interview mit Thomas Seifert als Optimist: "Wenn mein Ministerium zukünftig eine öffentliche Ausschreibung über ein globales Netz macht, dann wäre es auch möglich, die Antwort über das Internet zu bekommen!"


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