Stadtrand Urbanismuskolumne

Süßigkeiten von Fremden

Birgit Wittstock wird zu Halloween jedes Jahr von den Kindern des gesamten Grätzels heimgesucht

Stadtleben | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Halloween. Die Party des Grauens, die Anfang der 1990er auch nach Wien importiert wurde, ist in erster Linie ein freudiges Fest des Einzelhandels. Denn kostümieren, so finden die Gegner, kann man sich ja schließlich auch im Fasching. Dazu hätte es keines US-amerikanischen Brauchtums bedurft. Was wirklich nervt: Seit gefühlten zwei Monaten sieht man in den Supermärkten schon Süßigkeiten in Gruseldesign herumliegen, die Erwachsene daran erinnern sollen, dass sie Ende Oktober von schier endlosen Scharen kostümierter Kinder bedroht werden. "Süßes, sonst gibt's Saures!"

Was andererseits erstaunlich ist: An diesem einen Tag im Jahr scheinen sämtliche elterlichen Vorbehalte und Befürchtungen zu fallen, denn für diesen Abend wird eines der wichtigsten Verbote, die Kindern von klein auf eingebläut werden, aufgehoben. Jenes nämlich, niemals von Fremden Süßigkeiten anzunehmen. Und tatsächlich sind bislang Horror-Halloween-Geschichten von entführten oder vergifteten Kindern ausgeblieben. Vielleicht ist doch was dran an der alljährlichen Vertreibung böser Geister?


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