Das Drama des Wassertropfens

Eine Schau zeigt, wie der Maler Diego Velázquez dem spanischen Gottesstaat die Freiheit des Pinsels abtrotzte

Feuilleton | Würdigung: Matthias Dusini | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Wasser belebt die Sinne. Diego Velázquez (1599-1660) war ein junger, unbekannter Künstler in Sevilla, als er den "Wasserverkäufer" malte. Und dabei jene Qualitäten erkennen ließ, die ihn nicht nur zu dem wichtigen Porträtmaler des spanischen Hofes machen sollten, sondern später auch zu einer Referenzfigur der modernen Kunst.

Im Mittelpunkt der Szene steht einer jener Straßenverkäufer, die in der barocken Handelsmetropole durch die Straßen zogen und durstige Passanten bedienten. Seine linke Hand umfasst einen Tonkrug, die rechte reicht einem jungen Edelmann ein gefülltes Wasserglas. Der Lichtstrahl hebt die Oberflächentexturen hervor, das grobe Kleid des Händlers, das glatte, schimmernde Glas und die blasse Haut des Kunden. Die Tropfen des Kondenswassers auf dem Tonkrug wirken so echt.

Der Maler stellt die Hierarchien auf den Kopf. Nicht der reiche Jüngling ist der Held der Szene, sondern ein Nobody in einer gleichwohl Respekt gebietenden Haltung. Die Lichtführung lässt das


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