Selbstversuch

Leicht geschüttelt, zart gestört

Doris Knecht hat jetzt einen Begriff dafür

Kolumne | Doris Knecht | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Und man selbst so: jeden Samstag Soziophobie. Essen mit ein paar Leuten an einem Tisch: wunderbar. Aber kaum sind mehr als zehn, zwölf Menschen da, wo man auch ist: akuter, drängender Fluchtimpuls. Kaum sagt einer irgendetwas Inkommodierendes oder setzt sich nah oder schaut irgendwie: Flucht, sofort. Das Allernotwendigste regeln, Jacke überwerfen, dann ab durch die Menge, mit einem schiefen Entschuldigungsgrinsen auf der Visage: Sorry! Nicht eure Schuld! Meine Schuld! Ich bin total soziophob! Ihr habt bitte Spaß! Alles gut! Ich will euch das nicht verderben! Meine Schuld! Pardon!

Immerhin hat man jetzt, nach gut 20 Jahren, in denen man immer einfach merkwürdig war und als leicht geschüttelt, ja zart gestört galt, endlich ein Wort für das Problem, einen Begriff, der irgendwie klingt wie eine Krankheit oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Das macht vieles leichter. Das geht okay, denn für Krankheiten und Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann man bekanntlich nichts. Du verzeih,


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