Mediaforschung

Wenn der kreischende Geist aus dem Plakat gekrochen kommt

Verführungskolumne

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Wer sein Produkt in der Werbung fühlbar macht, ist beim Verkauf klar im Vorteil. Etwa, wenn einem ein beschürzter Bursche in der Fleischerei ein Stück neuer Honigbananenwurst zur Kostprobe hinüberschiebt (oh, origineller Geschmack!). Oder, wenn ein Deohersteller die müffelnde U-Bahn-Station Stephansplatz durch eine Installation im Lüftungsschacht duften lässt (oh, überraschend angenehmer Geruch!). Oder man macht es so wie der schwedische Vergnügungspark Gröna Lund, der seine neue Horrorattraktion auf Stockholms Straßen mit blankem Horror bewirbt (oh, so fühlt es sich an, wenn einem das Herz stehen bleibt!).

Die Gruselaktion funktionierte so: Ein Plakat forderte Passanten mit einem nüchternen Spruch heraus: "Traust du dich, unsere neue Attraktion anzusehen?" Die Anleitung stand darunter: stillstehen, mit dem Smartphone den abgebildeten QR-Code scannen oder die Webseite ihavebeenwarned.com ansteuern.

Wer das wagte, wurde von ohrenbetäubendem Gekreische überrascht, während ebenso plötzlich ein Geist aus dem Plakat stürzte. Die Wagehälse schrien vor Angst. Was für ein Effekt! Der Trick: Das Plakat war eine Leinwand, dahinter wartete ein Mann. Kam das Signal, dröhnten die Lautsprecherboxen los und er ließ sich gegen die Leinwand fallen (siehe Bild).

Die Agentur filmte den Streich samt Making-of, die Dokumentation der Gruselaktion ist die eigentliche Werbung. Bilanz des viralen Youtube-Clips: rund 200.000 Klicks (http://bit.ly/gruselwerbung).


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