Film Neu im Kino

Ein Schlupfloch in die Zukunft: "Interstellar"

Lexikon | Michael Pekler | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

Bücher können die Menschheit retten. Und zwar nicht, indem man sie liest, sondern indem man auf das achtet, was sich hinter dem Regal verbirgt. Die zehnjährige Murphy hat ein besonderes Gespür für die seltsamen Erscheinungen hinter ihrer Bücherwand, während das ihren Namen tragende Gesetz - "Whatever can go wrong will go wrong" - die Erde an den Rand des Abgrunds gebracht hat. Der Planet vertrocknet, und auch in ihrem Zuhause, einer Farm inmitten scheinbar endloser Maisfelder, stehen die Zeichen auf gigantischen Sandsturm.

Im erste Drittel seines knapp dreistündigen Science-Fiction-Epos "Interstellar" breitet Christopher Nolan dieses irdische Szenario aus, bis Murphys Vater (Matthew McConaughey), ein ehemaliger NASA-Pilot, in Begleitung einer Handvoll Wissenschaftler (Frau an Bord: Anne Hathaway) ins Weltall geschickt wird, um einen fremden Planeten als neuen Lebensraum zu erschließen: ein Wurmloch als Schlupfloch in die Zukunft.

Trotz seines Versuchs, die Schwerkraft buchstäblich hinter sich zu lassen, mutet "Interstellar" an wie ein gewaltiger Koloss, der seine einzelnen Bestandteile mühsam zusammenbaut und versucht, als Blockbuster vom Fleck zu kommen. Das väterliche Versprechen der Rückkehr dient als dramatisches Motiv, die Reise durch die unendlichen Weiten und vor allem durch mehrere Dimensionen als Möglichkeit zur Reflexion über Philosophie und Wissenschaft, die Beschaffenheit neuer Welten als Gelegenheit zur Darstellung menschlicher Kleinheit und Kleingeistigkeit.

Was diesem Film jedoch, wenig überraschend, fehlt, ist - fast 50 Jahre nach Kubricks Referenzfilm "2001" - ein Moment der Überraschung, sei es vor oder hinter Murphys Bibliothek. Da mag noch so viel vom Erreichen des Unmöglichen die Rede sein, als Visionär stößt Nolan einmal mehr an seine Grenzen.

Ab Fr in den Kinos (OF im Burg und Haydn)


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