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Pressekolumne

Medien | Barbara Tóth | aus FALTER 45/14 vom 05.11.2014

In der Gruner + Jahr-Verlagskrise taucht ein Begriff auf, der von Axel Springer geprägt wurde: das Flanellmännchen. Springer nannte seine Kaufmänner so. Der Ex-Stern-Chefredakteur Michael Jürgs hält diese Wortschöpfung in Ehren, zuletzt verwendete er sie in der Süddeutschen Zeitung am Freitag.

Nun sind Flanellmännchen heute nicht mehr nur Männchen (schließlich ist Julia Jäkel G+J-Chefin) und tragen inzwischen sicher lieber Seide und Kaschmir als altmodisches Flanell, aber die Geisteshaltung ist dieselbe geblieben. Wer sagt, dass Prestigemagazine wie Geo und Brigitte "von einem agilen, kreativen und flexiblen Kompetenzteam ausgedacht und produziert" werden können, meint eigentlich: Wir brauchen keine Redakteure mehr, Texte von freien Autoren - am besten kostenlose von Bloggerinnen! - tun es doch auch.

Halloween ist vorbei, aber der Mediengrusel beginnt gerade erst. Wer geht in Österreich bald als Flanellmännchen oder Kaschmirmadamchen?


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