Mediaforschung Verführungskolumne

Appell an Firmen: Lasst Kreative und ihre Teams arbeiten!

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Sie veräppelten die Familie des Vergewaltigers Josef Fritzl und scherzten über Jörg Haiders Unfalltod. Der Witz des Kabarettistenduos Stermann und Grissemann ist erbarmungslos, er kennt kein Tabu. Man kann das mögen oder nicht, aber auch schwarzer Humor ist Humor.

Als Werbefiguren sind die beiden hingegen so lustig wie eine Magenspiegelung ohne Narkose. Etwa im Spot des Stromanbieters Verbund. "Wer flexibel ist, schafft die Energiewende", sagt Grissemann da und geht in den Spagat. Stermanns Antwort: "Zum Glück muss man dafür nur hier flexibel sein", winkt mit dem Zeigefinger, klickt auf seinem Laptop herum und sagt: "und zum richtigen Stromanbieter wechseln." Das ist keine Pointe, das ist Pein. Zur Ehrenrettung der beiden: Kabarettistenkollege Thomas Stipsits ist als Testimonial für die aktuelle Kampagne der Möbelfirmen Kika und Leiner auch nicht komischer als sie. Potenzial und Umsetzung klaffen also oft weit auseinander. Warum?

Zwei Werber, die nichts mit den oben genannten Kampagnen zu tun haben, beteuern unisono: Kunden lassen Kreativen oft wenig Freiraum. Gute Ideen sind da, aber sie müssen etliche Instanzen des Auftraggebers passieren. Bis sie auch von der Chefetage des Kunden abgesegnet sind, sind sie bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und verharmlost. Manchmal überlebt von der Idee nur das Format - also etwa: Plakat- statt TV-Werbung.

Kreativität braucht Mut. Wer gute Werbungen haben will, muss Kreative spielen lassen.


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