Am Apparat Telefonkolumne

Woher kommen die prügelnden Clowns, Herr Lobo?

Politik | Anruf: Wolfgang Zwander | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

In Frankreich und auch anderen EU-Staaten tauchten in den vergangenen Wochen Clowns auf, die grundlos Passanten anpöbelten und verprügelten. Der Falter sprach mit Grünen-Politiker Klaus Werner-Lobo, selbst ein ausgebildeter und begeisterter Clown, über dieses neue Phänomen.

Herr Lobo, wofür stehen Clowns?

Meine schönste Definition für Clown lautet: jemand, der sich nicht fürchtet, eigene Defizite und Fehler einzugestehen. Jemand, der sein Scheitern zeigt. Viele Menschen haben davor Angst, der Clown befreit davon.

Woher kommt es, dass Clowns nun plötzlich Zivilisten verprügeln?

Böse Clowns sind seit den 1980ern modern, etwa durch Stephen Kings "Es". Heath Ledger hat als Joker in "Batman" einen neuen Höhepunkt ausgelöst. Der böse Clown fasziniert wegen seiner Brüchigkeit. Die lachende Fratze, die böse agiert, hat etwas Sadistisches. Dass ein Krampus böse ist, ist logisch. Ein böser Clown hingegen ist unlogisch und aufsehenerregend.

Was fasziniert Sie persönlich an Clowns?

Die subversive Kraft von Clowns wie Chaplin, Dario Fo, Leo Bassi oder Jango Edwards. Sie sind gefährlich für die Herrschenden, weil die Angst vor der eigenen Lächerlichkeit eine der größten Ängste überhaupt ist. Wer diese Angst verliert, traut sich mehr und lässt sich von den Mächtigen nicht mehr so leicht einschüchtern.

Auch auf linken Demos sieht man seit ein paar Jahren Clowns. Wie kommt es dazu?

Clowns bringen die Polizei in ein Dilemma. Polizeigewalt auf Demos wird häufig akzeptiert. Aber wenn Polizisten Clowns verprügeln, haben sie die Öffentlichkeit sofort gegen sich.

Was kann man von Clowns lernen?

Bei guten Clownkursen lernst du, Scheitern und Schwächen nicht zu verstecken, sondern einfach zu akzeptieren. Und dass man dafür nicht verurteilt, sondern gemocht und sogar geliebt wird.


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