Ohren auf Schlagzeug-Variationen

Dreimal kernige Trommelfell-Massagen

Feuilleton | David Mochida Krispel | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Er sitzt bei den Rockabenteurern Bulbul und Fuckhead hinter der Budl, nebenbei zwirbelt Didi Kern seine Drumsticks auch in verschärfteren Regionen von frei improvisierter Musik. Mit den omnipräsenten Saxofonisten Mats Gustafsson und Ken Vandermark spielt der österreichische Schlagzeuger regelmäßig, mit Philipp Quehenberger (Synthesizer) dauernd.

Die beiden Meister souverän hingekleckster Soundlandschaften haben nach etwa zehn Jahren heftiger Spielpraxis begonnen, ihre Musik zu dokumentieren. Auf der LP "Who's That" (Rock Is Hell) werden die zwei zum Trio Booth/Quehenberger/Kern erweitert. Juini Booth hat als Bassist mit vielen Kapazundern, von Thelonious Monk bis McCoy Tyner, gespielt, hier hatte er offenkundig keine Scham, in die Tasten zu greifen. Aufgenommen 2012 bei einer Privataudienz für ihren zeit seines Lebens größten Fan Franz West im Wiener Celeste, ist die Stimmung spooky bis heiter.

Der Vinylsingle-Schnappschuss "Sunset/Sunrise" (qed sounds) einer bei einem Sun-Ra-Tribute in Nickelsdorf entstandenen Ad-hoc-Formation mit Kern, Quehenberger, Marshall Allen und Juini Booth lässt nach mehr lechzen. Booth ist teilweise auf seinem angestammten Instrument zugange, und durch Quehenberger ist Sun Ras Saxofonist Allen wieder in Kombination mit disziplinierten Elektrosounds zu hören.

Eine tipptopp Studioproduktion legen Wenzldnatek mit "Hug Box"(Listen Closely) vor. Neben Kern spielen Bulbul-Buddy Roland Rathmair (Bass) und Werner Zangerle (Saxofon). Fitze-Fatze-Klischees blitzen kurz auf, über weite Strecken liefern die drei aber unerhört dichte Musik mit einer breit gefächerten Ausdruckspalette. Zangerle überrascht mit großer Vehemenz, und der virtuos behandelte E-Bass kann sich in seinem Frequenzspektrum hemmungslos austoben. Dieses bislang zu wenig beachtete Trio wird noch für Überraschungen sorgen.


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