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Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Auf dem Pult von Portier Josef Egger liegen ein Zettel und ein Kuli. Es ist eine Art prähistorischer Vorläufer der Stechuhr. Alle Namen der Falter-Mitarbeiter sind dort aufgelistet - von Ari Laura bis Zwander Wolfgang. Man trägt sich ein, man trägt sich aus. Und wer wissen will, wer morgens zu spät kam, der muss nur darauf achten, wo die Uhrzeit verwischt ist.

Zwander zieht sich sein blaues Jäckchen an, Montagnacht, Zeit zu gehen. Nur noch "21:05 Uhr" auf den Zettel schreiben, dann: Feierabend. Freiheit. Freude. Drei strategische Probleme liegen noch vor ihm. Erstens: Am Weg zum Zettel muss er an Florian Klenks Chefredakteurskammerl vorbei. Zweitens: Dort brennt noch Licht. Drittens: Klenk fühlt sich zur fortgeschrittenen Arbeitsstunde nicht gerne einsam.

Zwander bewegt sich leisen Schrittes, aber Klenk wittert Flucht wie Hunde Rehe im Wald. "Ihr habt's über den Bund getitelt!", schallen Klenks mahnende Worte aus seinem Kammerl. Der Satz klingt harmlos, tatsächlich ist es eine Katastrophe. Denn würde der große Kommentar (Seite 6) so erscheinen wie auf Klenks Bildschirm, dann würde der sich über zwei Seiten erstreckende Titel in der Mitte zusammenstoßen. Kurzum, das wär nicht schön.

Zwander muss deshalb zu Klenk. Zuschauen, wie der Chef den Titel macht. Dann noch: Beratung für den Vorspann auf Seite 18. Dann noch: Ein Erratum schreiben (Seite 4). Dann noch, dann noch, dann noch. Dann ist's 21:40 Uhr. Austragen. Endlich. Die Fluchtzeit von 35 Minuten hatte Zwander ohnehin schon eingeplant.


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