Der kleine Tiger

Das gute Sandwich braucht wenig Platz, aber viel Liebe

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Die Neustiftgasse ist wirklich nicht der kuscheligste Ort im siebten Bezirk. Ein ehemaliges Bachbett, jetzt eine Ausfallsroute, ein enger Kanal, von dem manche behaupten, dass er – als die Mariahilfer Straße noch bestaubar war – kein enger Kanal und keine Ausfallsroute war.

Aber erstens geschehen manchmal Wunder und zweitens sucht sich das schöne Leben eben auch in düsterer Umgebung seine Wege. Und siehe da, vor einigen Jahren wuchs in der unteren Neustiftgasse eine liebreizende Lokalszene heran, das Sosaku, das B-Mäx und das so wundervolle Victus & Mili etwa rund um den Augustinplatz, und dann natürlich der Urbanisten-Magnet schlechthin, der Veganista-Eissalon.

Gleich neben diesem verfügte sich im Juli ein weiterer Mosaikstein ins Gefüge, nämlich ein kleines Lokal mit dem unmissverständlichen Namen „Neustiftgasse 21“. Dieser etwa zwölf Quadratmeter große Lokal-Winzling ist so eine Art Nachfolgeprojekt des „Hermanngasse 13“, das eine Fusion aus Wein-Shop des Joiser Winzers Markus Altenburger, einer Galerie der Innenarchitektin Ghislaine Knotzer und einer Modeboutique war, die Konzentration liegt nun aber gänzlich bei kulinarischen Themen. Zum Beispiel bei Suppen und Sandwiches, beides frisch zubereitet und eher nur zur Mitnahme gedacht, denn die Sitzplatz-Anzahl im Neustiftgasse 21 ist gering; zumindest in der Standardversion, es gibt nämlich auch noch ein hübsches, kleines Nebenzimmer, in dem Markus Altenburger gegen Voranmeldung sein Sortiment verkosten lässt und das als Raum für kleine Kulinar-Events dient, wie zum Beispiel den Aperitivo, den es hier demnächst zweimal im Monat geben wird.

Permanent gibt’s drei Suppen, etwa eine wirklich recht gute, ordentlich gepfefferte Erdäpfel-Shiitake-Suppe, die Rote-Rüben-Orangen-Suppe war leider schon aus (€ 3,20), und vier Sandwiches, von denen eines mit Fisch, eines mit Fleisch, eines vegetarisch und eins vegan angelegt ist. Die Version mit zitronenmariniertem Huhn, Blattspinat, schwarzen Oliven und einer selbstgemachten Harissa-Mayonnaise war jedenfalls erstklassig, nächstes Mal nehm ich die mit Nuri-Sardine, Brokkoli, Karotte, Tomate und Zitronen-Mayo (€ 3,40).

Das Brot lässt sich Roland Wagner, der Mann fürs Operative in dem Lokal, von der Mödlinger Bäckerei Kolm bringen, und das ist sehr gut. Unbedingt erwähnenswert aber natürlich auch Wagners eigentliche Passion, die „Tigermilk“, eine Interpretation des unvergleichlichen Erfrischungsgetränks Horchata aus Valencia: Wagner lässt sich die Erdmandeln von dort liefern, weicht sie 48 Stunden ein und püriert sie dann ungezuckert zu einem ganz außerordentlichen, leicht kratzigen „Superfood“-Getränk. Toll auch die Variante aus gerösteten Erdmandeln. Kann man natürlich auch mitnehmen. Sollte man auch.

Resümee:

Ein an Winzigkeit kaum zu übertreffendes Lokal mit tollen Suppen, tollen Sandwiches und toller Horchata in einer immer toller werdenden Gegend.

Neustiftgasse 21
7., Neustiftg. 21
Mo–Sa 12–19 Uhr
www.facebook.com/pages/Neustiftgasse-21/228357383903266


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