"Er hat einem Mut gemacht"

Von "Kottan ermittelt" bis "Nordrand". Wie der verstorbene Wolfgang Ainberger in Österreich Filmkultur ermöglichte

Feuilleton | Nachruf: Michael Omasta | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Schwierig zu sagen, was sein größtes Verdienst war. Seine langjährige Redakteurstätigkeit beim Österreichischen Rundfunk? Der Aufbau und die Leitung der experimentellen ORF-Sendereihe "Kunststücke"? Die Neuaufstellung des Filmfestivals Viennale? Oder doch sein Einsatz als erster Geschäftsführer des Wiener Filmförderungsfonds?

Bekannt ist Wolfgang Ainberger heute vor allem für seine Pionierarbeit auf dem Gebiet des heimischen Fernsehspiels, als er in den 1970/80er-Jahren noch weithin unbekannte Autoren unterstützte: von Fritz Lehner über Käthe Kratz und Ernst Hinterberger bis Helmut Zenker. "Die Mittelmäßigen, die Ellbogentechniker, kommen von selber", resümierte er in einem Buch über Michael Haneke, dem er vier TV-Filme mitermöglicht hat: "Die Guten muss man auffordern, ihre Skrupel und ihre Ängste zerstreuen."

"Er hat einem Mut gemacht", bestätigt der Regisseur Peter Patzak, bei dessen Serie "Kottan ermittelt" Ainberger sowohl Geburtshelfer als auch Redakteur war. "Dabei hat er sicher selbst viel kämpfen müssen am Küniglberg. Zum Beispiel hatte er, als wir mit dem 'Kottan' angefangen haben, kein Budget. Wir haben mit nichts gedreht - nicht einmal ein Stativ hatten wir."

Filmmuseumschef Alexander Horwath hat Ainberger als einen "Komplizen" der Kreativen beschrieben, der seine Tätigkeit stets zugunsten derjenigen interpretiere, deren Werke er auf den Weg bringen wollte; darunter etwa die Erstlingsfilme von Niki List ("Malaria") und Wolfgang Murnberger ("Himmel oder Hölle"), Ulrich Seidl ("Good News") oder Barbara Albert ("Nordrand"). Im Jahr 2000 machte er sich als Berater in Sachen österreichischer Film selbstständig.

Ende Oktober ist Wolfgang Ainberger, der mit seiner Frau Christine zuletzt in Apetlon lebte, im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. "Er brannte für die Sache Film, für die Sache Literatur, aber auch für dieses Ewig-im-Betrieb-Sein", sagt Patzak. "Sich einfach zurücklehnen, das konnte er wahrscheinlich gar nicht."


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