Wo Kinder Heimat spielen

"Macondo" ist der erste Spielfilm der Regisseurin Sudabeh Mortezai. In die Geschichte der Wiener Flüchtlingssiedlung mischt sich ihre eigene Biografie

Feuilleton | Besuch: Sibylle Hamann | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Die Zwischenwelt beginnt gleich hinter dem Huma-Supermarkt, am Parkplatz. Männer, Frauen, alte, junge schieben geschäftig Einkaufswagerln zu ihren Autos, beladen ihre Kofferräume. Cornflakes, Klopapier, Katzenfutter. Der Wind weht von der Donau herüber, ab und zu hört man auf der Alberner Hafenzufahrtsstraße einen schweren Lkw vorbeirauschen. Sehen kann man ihn nicht, denn den Parkplatz umgibt eine leuchtend gelbe Wellblechwand.

Nur wenigen Huma-Kunden fällt die Lücke in der gelben Wand auf. Ein von vielen Füßen gestampfter Trampelpfad führt hindurch, gerade breit genug für ein Einkaufswagerl. Durch die Lücke schlüpfen ab und zu Frauen, Männer, alte, junge, die bunte Saris, gehäkelte Mützen, Dschellabas oder Flipflops tragen. Die Parkplatzmenschen schauen ihnen kurz irritiert nach, klappen ihre Kofferraumdeckel zu und fahren nach Wien. Die Menschen, die durch die Lücke schlüpfen, gehen nach Macondo.

Macondo, der fiktive Sehnsuchtsort aus dem Roman "Hundert Jahre Einsamkeit".


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