Sudabeh Mortezais "Macondo" und das boomende Genre des Flüchtlingskinos

Feuilleton | Überblick: Michael Omasta | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Einmal wird Ramasan von seiner Mutter zum Einkaufen geschickt. Iman und Rosa, seine Schwestern, gehen mit in den Supermarkt. Dort haben die beiden Kleinen nichts Besseres zu tun, als das Einkaufswagerl mit allerhand Süßigkeiten anzufüllen. Das geht nicht, erklärt der elfjährige Bub aus Tschetschenien seinen Geschwistern und wirkt plötzlich sehr erwachsen, "dafür hat Mama uns kein Geld mitgegeben".

"Macondo", der aktuelle Film von Sudabeh Mortezai, ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Kino heute über Flüchtlinge erzählt. Nicht mehr das oft genug noch mit Abenteuerromantik überzuckerte Unterwegssein steht hier im Mittelpunkt, sondern das viel weniger fotogene Nie-wirklich-Ankommen: das notdürftige Zusammenleben an einem Ort, an dem das Exil fast schon Heimat geworden ist.

Mit ihrem Spielfilmdebüt, das dokumentarische und dramatische Momente gekonnt vereint, liegt Mortezai quasi voll im Trend. So drehte voriges Jahr die junge deutsche Regisseurin Anne Koduras in einer zum Asylwerberheim


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