Menschen

Dinger weg!

Falters Zoo | Barbara Fuchs, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Einen schöneren Ausklang zur Viennale hätte man sich gar nicht wünschen können: Jarvis Cocker, seines Zeichens Frontman der Popgruppe Pulp, machte einen Abstecher nach Wien, um dort einem mitternächtlichen Screening des Musikfilms "Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets" im Stadtkino beizuwohnen. Für viele Mittdreißiger ging in dieser Nacht ein Herzenswunsch in Erfüllung, nämlich ihn, Gott der intelligenten britischen Popmusik, endlich einmal in echt zu sehen. Und wunderbar war es! Herr Cocker antwortete nach der Filmvorführung brav auf jede noch so blöde Frage, trank dann mit dem gemeinen Volk mehrere Gläschen Wein auf der Abschlussparty in der Viennale-Zentrale im alten Postamt (wie lange gibt es diese großartige Örtlichkeit eigentlich noch?) und erzählte aus seinem Leben. So was dürft ruhig öfters passieren..

Noch mehr hoher Besuch aus London: Vivienne Westwood war in der Stadt - Dame, Modedesignerin, Klimaaktivistin und spezielle Freundin des Falter. Westwood war Spezialgast beim 50er von Teppichhändler Ali Rahimi. Ein von ihr entworfener Teppich mit der Aufschrift "STOP HUMAN TRAF-FICKING", zum Kampf gegen den Menschenhandel, wurde versteigert und brachte - gemeinsam mit Spenden - 200.000 Euro für die "Blue Heart"-Kampagne der UNODC, worüber sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wiederum sehr freute. Wie fast jedes Mal, wenn die Designerin in Wien ist, besuchte sie auch das Kunsthistorische Museum, sah sich Velázquez an und machte noch ein Foto mit Museumsdirektorin Sabine Haag. Und weil's so gut passt: Die gerade erschienene Westwood-Biografie (Eichborn Verlag), die sie zusammen mit dem Journalisten Ian Kelly geschrieben hat, ist wirklich lesenswert.

Während im Rabenhof die Spaßmacher Dirk Stermann und Christoph Grissemann gemeinsam mit Nackt-Mittagesser Oliver Welter Theater spielten ("Für die Eltern was Perverses", bei der Premiere gesichtet wurde neben Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny auch Action-Painterin und "Dancing Star" Dolly Buster) oder im MQ der Winter gefeiert wurde, präsentierte Radiostimme Fritz Ostermayer im Wien Museum das neue Buch von Neo-Schriftsteller und Zeichner Rudi Klein. Die beste Entscheidung des wirklich vergnüglichen Abends war übrigens, den Nino aus Wien aus Kleins reich bebilderter Erzählung "Der Herr der Dinge"(Czernin Verlag) sehr, sehr langsam vorlesen zu lassen. Das fand auch der Ostermayer-Fritz, der dem jungen Musiker anbot, ein Hörbuch zu produzieren. Karl May zum Beispiel. "Wenn du ein Wochenende Zeit hast", meinte der Nino. Wir freuen uns schon drauf.

Die Beatsteaks sind so was wie die Toten Hosen, aber auf Englisch. Vergangene Woche konzertierte die deutsche Punkband gleich zweimal in Wien: erst in der Arena ("Weil da sind wir groß geworden") und tags darauf im Gasometer. Den freien Tag verbrachte Beatsteaks-Schlagzeuger Thomas Götz damit, ein paar Plattenläden abzuklappern, um dort Vinyl seines kleinen Labels Tomatenplatten an den Mann oder die Frau zu bringen. Wobei Herr Götz wohl relativ schnell beim Teuchtler in der Windmühlgasse landete, dem charmantesten Secondhand-Plattenladen der Stadt. Philipp Teuchtler kaufte dem trommelnden Labelbetreiber ein paar Tonträger ab - und bekam zum Dank eine Freikarte für das restlos ausverkaufte Konzert. Nett.

Und diese Woche? Wird's literarisch. Weil Lesefestwoche und Buchmesse ist. Stargäste diesmal sind die Nobelpreisträgerin Herta Müller und der Norweger Jo Nesbø. Mehr dann.


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