Tür-auf-Tür-zu: "Nestory" über Johann Nestroy von Theater t'eig geht nicht auf

Steiermark | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Tür-auf-Tür-zu, das war lang ein beliebtes Stilelement für alles, was sich Komödie nennt. Es liegt also nahe, dass Theater t'eig für seinen Nestroy-Abend die Bühne voller Türen stellt. Die werden dann auf-und zugeschlagen, hin-und hergeschoben und so genutzt, dass den Bildern und Abläufen Struktur gegeben wird. Markus Boxlers Bühnenbild gehört, im Verein mit der wunderbar lauten Musik von The Devil's Empire, zu jenen Dingen, die bei der jüngsten t'eig-Arbeit genauso überzeugen wie sonst.

Wer das Œuvre von Regisseur Thomas Sobotka kennt, weiß nämlich von der Freude, die sich einstellt, wenn im Gewirr der Handlungsfäden eine Geschichte Kontur annimmt. Doch was in "Nestory" über das Leben und Schreiben von Johann Nestroy gesagt wird, bleibt seltsam konturlos. Mit seinem großteils t'eig-bewährten Darstellerteam verknetet Sobotka literarische und andere Nestroy-Zitate zu einem "Quodlibet". Dazu kredenzt er Reverenzen, die Werner Schwab und Elfriede Jelinek der spitzen Feder des Vormärz-Poeten erwiesen haben. In gewohnt genialischen Wendungen wird Material montiert und extemporiert, wobei das t'eig-Team neben Nestroy auch sich selbst aufs Korn nimmt.

Nestroy der Narziss, Weiberheld, Provokateur und Erfolgsmensch -das alles wird spielfreudig angespielt, oft nicht deutlich genug für eine Andeutung. Andere Szenen wiederum wurden breit ausgewalkt, so franst die Erzählung aus. Und die Maxime, nur ja nichts und niemanden ernst zu nehmen, erweist sich im Rahmen einer biografischen Annäherung doch als Problem. Selbst wenn's heißt, sich einem Komödianten zu nähern.

Heimatsaal, Graz, Mi, Do 20.00


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