Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Leon bleibt da

Falter & Meinung | aus FALTER 46/14 vom 12.11.2014

Die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt musste die angekündigte Zwangspensionierung von Johannes Poigenfürst, dem beliebten Primar des Lorenz-Böhler-Unfallkrankenhauses, zurücknehmen. Überraschenderweise war den Herren der Sozialminister Josef "Jolly" Hesoun in den Arm gefallen. "Den Böhler-Ärzten ist es immerhin gelungen, die Mechanik des öffentlichen und nichtöffentlichen Kräftespiels so zu handhaben, dass zwei Betonblöcke aufeinanderprallten, wobei einer bröckelte", kommentierte der Falter, und Poigenfürst blieb im Amt.

Im Parlament ging der Frauenanteil auf 21,9 Prozent zurück. Der "geschlechterpolitische Rückwärtsgang" sei eingelegt worden, konstatierte die Politologin Eva Kreisky und schrieb: "Nur durch ein wendiges Unterlaufen von Statuten und beharrliches Ignorieren weiblicher Bevölkerungsmehrheiten ist das ,eherne Gesetz der (männlichen) Oligarchie' auch in der SPÖ zu retten."

Bernhard Odehnal und Thomas Seifert beklagten die Reformresistenz der Politik und ihrer alten Männer. Immerhin kam das "Simmeringer Urgestein" Johann Hatzl zu Wort, der zum Ende der Ära Zilk formulierte: "Man soll jede Person und jede Mannschaft für sich beurteilen und jetzt nicht meinen, da ist der kleine Michl Häupl und dort der große Helmut Zilk. Man soll lieber genauer hinsehen, dann wird man schon draufkommen, dass beide eigentlich gleich groß sind."

In der Kultur porträtierte Michael Omasta den Heimkehrer Leon Askin, vertrieben 1938, in Hollywood mit zahlreichen Rollen bekannt geworden, nun nach Wien heimgekehrt. Er drehte einen Film, spielte in der Josefstadt, erhielt das Silberne Ehrenzeichen der Stadt und gastierte in Hermes Phettbergs "Nette Leit Show". Beinahe wäre er aber abgeschoben worden. Denn er hatte seinen Aufenthaltsantrag bereits in den USA gestellt und nicht, wie vom Gesetz vorgeschrieben, in Österreich. Dabei war ihm seine österreichische Staatsangehörigkeit 1938 zu Unrecht aberkannt worden. Die Affäre konnte bereinigt werden, Askin wurde nicht abgeschoben.


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