Ohren auf Pop und Avantgarde

Die vielstimmige Welt des Christof Kurzmann

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Um 1990 brachte Christof Kurzmann das Free-Jazz-Saxofon in den lokalen Popunderground, ein Vierteljahrhundert später ist der in Buenos Aires wahlbeheimatete Wiener als Laptop-Musiker längst Teil der internationalen Improv-Szene. Dazwischen leitete er das Orchester 33 1/3, ein aufsehenerregendes Crossover-Ensemble an der Schnittstelle von Elektronik und Big-Band-Jazz; eine Berlin-Phase mit diversen Projekten und Kooperationen ist ebenfalls aktenkundig.

Mit dem vielstimmigen Vinyldoppelalbum "Then &Now" (Trost) hält Kurzmann Um-und Rückschau. Der filigrane Popsong steht hier neben harschen Electronica, die Melodie neben der freien Improvisation, Anklänge an Ambient und Industrial treffen auf Chanson und Klangkunst. Das Politische geht Hand in Hand mit dem Poetischen, der Grat zwischen Lovesong und Klagelied ist schmal. An Kurzmanns Seite wirken unter anderem die Artpopikone Robert Wyatt, die Sängerin Margareth Kammerer, der Elektroniker Bernhard Fleischmann sowie die Jazzer Ken Vandermark und Mats Gustafsson.

Eine schöne Ergänzung ist Kurzmanns Single "Song for Beggars", erschienen als Teil zwei der "Trost Jukebox Series", einer Spezialitätenspielwiese des Wiener Labels. Das ursprünglich in der Postrockszene Chicagos entstandene Stück erfährt in unterschiedlichen Konstellationen zwei Interpretationen, eine minimalistische zwischen Schönheit und Dramatik und eine eindringliche, von freiheitsliebendem Sax-Getröte geprägte.

Und dann hat Trost auf seinem Sublabel Cien Fuegos verdienstvollerweise noch "Same" als LP neu aufgelegt, das Ende 1991 erschienene und erfreulich gut gealterte zweite Album der Extended Versions, Kurzmanns mit dem Gitarristen Helmut Heiland betriebenen Avantgarde-Politpop-Duos, das zu Punk ebenso wenig Nein sagte wie zu Jazz.

Live: 25.11., 20 Uhr, Celeste


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