Als in England die Sonne aufging

Regisseur Mike Leigh zeichnet den britischen Maler William Turner als grantigen Kauz und als Getriebenen seiner Kunst

Porträtist: Gerhard Midding | Feuilleton | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Der Name des englischen Küstenstädtchens Margate hat nicht den besten Klang in der britischen Filmgeschichte. Er ist in sie eingegangen als Zielscheibe des Spotts. Die Kinoexzentriker Michael Powell und Emeric Pressburger nannten ihre Produktionsfirma The Archers (die Bogenschützen), wozu sie ein Bonmot des Schriftstellers James Agate inspirierte, der überzeugt war, es sei immer noch besser, Neapel zu verfehlen, als Margate zu treffen.

Dass der Küstenort im Südosten einen solch schlechten Leumund hat, ist nicht ganz gerecht. Immerhin ist er das Ziel der trauernden Freunde in Fred Schepisis Verfilmung von Graham Swifts Roman "Letzte Runde", die dort am Pier die Asche des verstorbenen Jack Dodds (Michael Caine) ins Meer streuen wollen.

In Mike Leighs neuem Film "Mr. Turner" wird er nun endgültig rehabilitiert. Margate, so erfährt man, ist der erste Ort Englands, den die Sonne erreicht. Dieser topografische Vorzug ist naturgemäß von höchstem Interesse für den Maler Joseph Mallord

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