Menschen

Katze Josef

Falters Zoo | K. Wasner, B. Wittstock, M. Dusini, W. Kralicek | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Zurück von einer Reise nach Nash ville, Tennessee, und New Orleans, füllte Hubert von Goisern nach zwei Jahren wieder die Halle E im MQ und brachte von seinem US-Trip jede Menge Folk, Blues, Country und Steve Fishell mit. Der Amerikaner mit Hut und Pedal-Steel-Gitarre war laut Hubert von Goisern das einzig Brauchbare, das in den Staaten zu finden war. Der Musiker wechselt die Quetschen wie Lady Gaga die Outfits, jodelt, spielt Mundharmonika, Trompete, Gitarre, Klavier, und als die bei "Brenna tuats guat" endlich doch beschwingt mitklatschende Menge nach zwei Stunden noch immer nicht gehen will, bläst von Goisern das erstaunlich lederhosenarme und fast völlig dirndlfreie Publikum schließlich mit einem Alphorn aus dem Saal.

Es hatte ein bisschen etwas von einem Klassentreffen, der erste große Leseabend von Jung-Autorin Saskia Jungnikl: Die halbe Wiener Journalistenbranche war im Lesesaal der Hauptbücherei versammelt. Logisch, weil Jungnikl auch Journalistin ist. Der Titel ihres autobiografischen Buches "Papa hat sich erschossen" lässt natürlich vermuten, dass der Abend nicht gerade von Heiterkeit und Frohsinn geprägt war. Falsch. Denn trotz des ernsten Themas zeigte Jungnikl, dass sie weder Humor noch Sarkasmus eingebüßt hat. Was den Moderator des Abends, Günter Kaindlstorfer, etwas zu irritieren schien. Der empfand sie als etwas "aufmüpfig", das Publikum war begeistert, toll die Leseproben. Man wollte erst gehen, nachdem sämtliche Uhudler-Flaschen geleert waren und die Bücherei-Leute mit Rauswurf drohten.

Der Uniqa-Tower ist aufregend. Okay, den Film, der da auf der Fassade nachts läuft, den hat man vielleicht schon einmal zu oft gesehen. Egal, jetzt spielt's was Neues. Die Versicherung lud mit dem Mumok in den Nachbarturm zum "First Viewing" der Lichtinstallation "Ende neu" der Künstlerinnen Julia Novacek und Marie Klein. (Unser Titelvorschlag für die LED-Animation: "Einstürzende Neubauten".) Ab Februar ist dann die Arbeit von Antoinett e Zwirchmayr am Uniqa-Gebäude zu sehen. Titel: Schliere im Auge.

Cat Stevens war in den 70er-Jahren so etwas wie der Julio Iglesias unter den Singer-Songwritern. Seine warme Stimme ließ Herzen schmelzen. In der Stadthalle sang der Mann nun seine alten Hymnen an den Mondschatten und die Schmerzen der ersten Liebe. In einer märchenhaften Bühnenkulisse, einem klapprigen Bahnhof aus Holz in der Dämmerung. Nichts deutete darauf hin, dass der Musiker längst ein anderer ist. In den späten 70ern war Stevens zum Islam konvertiert und nennt sich seither Yusuf Islam. Sein Publikum setzte sich allerdings nicht aus Koranleserinnen zusammen, sondern aus unverschleierten Fans des Frühwerks, die keinen Star zum Angreifen erlebten. Aus religiösen Gründen weigert sich Cat Yusuf, Frauen die Hand zu geben. Ihre Augen leuchteten dennoch, als Katze Josef den Hit "Morning Has Broken" anstimmte. Allahu Akbar!

Fehlt noch was? Ach ja, der gespielte Witz. Die Verleihung des Österreichischen Kabarettpreises fand diesmal lustigerweise im Mittleren Saal der Urania statt -also da, wo nachmittags Kasperltheater gespielt wird. Prompt meldeten sich Kasperl und Pezi zu Wort und beschwerten sich bei Moderatorin Verena Scheitz über den Lärmpegel: "Gusch jetzt, der Pezi kann nicht einschlafen!" Vorsichtig wurden dann trotzdem die Preise überreicht. Andreas Vitásek gewann (schon zum zweiten Mal!) den Hauptpreis, der Sonderpreis ging an Werner Schneyder, der Förderpreis an Ott o Jaus. Keinen Preis, aber viele Lacher bekam Michael Niavarani für seine g'feanzte Laudatio auf den talentierten Herrn Jaus.


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