Enthusiasmuskolumne Diesmal: die beste Bergtour der Welt der Woche

Völlig losgelöst von der Erde

Feuilleton | Matthias Dusini | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Philae ist gelandet. Am 12. November kam das Raumlabor auf dem Kometen Tschuri an, nach einer zehnjährigen Reise mit der Raumsonde Rosetta. Der vier Kilometer dicke Brocken ist 510 Millionen Kilometer von der Erde entfernt; von seiner Untersuchung erhoffen sich die Forscher des Europäischen Raumflugkontrollzentrums (Esoc) Auskünfte über die Entstehung des Sonnensystems.

Das Esoc übertrug die Landung live aus der Zentrale in Darmstadt. Die Bilder waren allerdings eher unspektakulär. Man sah Wissenschaftler mit gespannten Gesichtern, die auf Computerbildschirme starrten. Die

Weltraummission löste dennoch Gefühle aus, die an die Mondlandung im Juli 1969 erinnerten, vielleicht gerade deshalb, weil sich die Vorstellung von dem, was passiert, nur im Kopf abspielte.

Da ist zunächst die unfassbare Distanz. Der Komet ist so weit weg, dass die Bilder, die Philae sendet, eine halbe Stunde zur Erde brauchen. Der Mond ist nur 384.400 Kilometer von der Erde entfernt, ein Katzensprung. Sprachlos macht einen die Vorstellung, dass ein Kasten so lange unterwegs ist und auch noch ankommt. Kometen gehören gewöhnlich zum Inventar der Metaphysik, man assoziiert mit ihnen die Ankunft eines Erlösers. Mit der Eroberung von Tschuri macht sich der Mensch nach der Erde auch die Sterne untertan. Ziel der Forschungen ist es, zu ergründen, wie das Wasser auf der Erde entstanden ist. Sollten die Physiker die Frage nach der Entstehung des irdischen Lebens beantworten können, sind die Theologen endgültig arbeitslos.

Der sportliche Roboter ruht inzwischen im Standby-Modus, da er zu wenig Energie hat. Die ersten Bilder sind jedoch vielversprechend. Sie zeigen keine öde Wüstenlandschaft, sondern ein knackiges Gebirge. Berg Heil, Philae!


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