Minajew auf der Bühne: Russland als turbokapitalistischer Technoclub

Feuilleton | SARA SCHAUSBERGER | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Am Klo wird nicht nur gekokst und geschissen, sondern auch gevögelt und gekotzt. Oder aber man wird im Club von irgendeinem Typen zusammengeschlagen, der einem dann den Kopf in die Kloschüssel steckt.

Koks, Sex und Korruption im turbokapitalistischen Russland stehen im Mittelpunkt von Sergej Minajews Roman "Seelenkalt", den Regisseur Ali M. Abdullah und Dramaturgin Hannah Lioba Egenolf für die Bühne bearbeitet haben. Erzählt wird die Geschichte des langsam zusammenbrechenden Moskauer Managers Alexander (Tim Breyvogel), der ein Teil der "transnationalen Schwanzlutscherei" der Konzerne ist und Ablenkung durch Drogen, Sex und Alkohol sucht.

Grellweiße Wände, schwarze Ledersofas, Wodkaflaschen und ein Klo: Auf drei Bühnenteilen und drei riesigen Videoleinwänden wird zu Livemusik (Imre Lichtenberger-Bozoki) ein satirisches Spiel mit Klischees betrieben. Die Frauen (alle: Constanze Passin) sind "geldgeile Nutten" in Kürzeströcken, Homophobie und Sexismus sind ebenso selbstverständlich wie Erpressung und Korruption.

Ein Höhepunkt ist der Dialog zwischen Alexander und einem St. Petersburger Konzernmitarbeiter, den Christian Dolezal bestechend komisch spielt. Wirklich lustig wird die Satire aber nicht, vielleicht hätte ein bisschen mehr Distanz zum Text gut getan. Zum Schluss ist da ein verschwommenes Bild - und Abbas "The Winner Takes It All" auf Russisch.

Nächste Termine: 22. und 30.11., Werk X


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