Und damit Pasty

Imbiss, der siebente: englische Pies vom Engländer. Englich!

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014


Tristan St. James, der Wirt der Cornwall Pasty Pirates wollte nicht aufs Foto. Er musste Pies machen (Foto: Heribert Corn)

Tristan St. James, der Wirt der Cornwall Pasty Pirates wollte nicht aufs Foto. Er musste Pies machen (Foto: Heribert Corn)

Hin und wieder fragt man sich natürlich schon, ob es denn in dem Gasselwerk rund um Kirchengasse, Zollergasse, Linden- und Mondscheingasse noch mehr Lokale braucht. Und die Antwort kann nur sein: Kommt ganz darauf an, denn gute gibt es wohl nie genug.

Wie auch das neue, kleine Cornwall Pasty Pirates in der Zollergasse zeigt, das unlängst um vier Uhr nachmittags nämlich schon ziemlich leergegessen war. Und zwar an seinem zweiten Tag, also noch bevor da irgendwelche Propaganda-Wellen durch die entsprechenden Medien geflutet wären, und das, obwohl es direkt an einer Mahü-Baustellen-Absperrung liegt, und das, obwohl der Wiener Passant ja generell nicht gerade zu den besonders spontanen Konsumenten zählt.

Aber es sieht ganz einfach sehr einladend aus. Mit seinen Kistenregalen, in denen hübsch verpackte britische Spezialitäten gestapelt sind, mit seinen warm anmutenden Backsteinwänden, mit seiner sehr dezent eingesetzten maritimen Dekoration. Und mit der unendlich fröhlichen Ausstrahlung von Tristan St. James, dem Wirt der Cornwall Pasty Pirates.

Tristan St. James kommt aus London und hat bis vor kurzem eigentlich was sehr, sehr anderes gemacht, war dann aber einmal in Salzburg, lernte dort seine Frau kennen und war sofort bereit, seine Heimat und das andere aufzugeben, um in Österreich neue, gute, befriedigende Dinge zu tun (als Einheimischer schämt man sich angesichts des Enthusiasmus von Neo-Österreichern mitunter ein bisschen für die hier so selbstverständliche Lethargie …). Da war zunächst einmal ein Tricycle-Unternehmen, also Lastenfahrräder etwa für Eisverkäufer, und jetzt eben der kleine Pasty- und Lebensmittelshop, „We want to show off British food“.

Was ist Pasty? Ein Pie in Form einer überdimensionalen Kärntner Nudel, Pastys kommen aus Cornwall, wo sie früher von Bergarbeitern in den Stollen mitgenommen wurden. Mit den schmutzigen Händen nahmen die den Krapfen am dicken Teigwulst, aßen den saftigen Teil, das Teigrandl warf man weg, erklärt Tristan.

Wochenlang erforschte er die englische Pasty-Szene, weil ihm die traditionelle Rindfleisch-Erdäpfel-Rüben-Fülle zu fad war. Und kam schließlich an James Strawbridge, der in England gerade der Guru in Sachen Pasty, Pie und nachhaltiges Kochen ist.

Und das ließ Tristan nicht unbeeindruckt: Fleisch nur von einem (englischen) Fleischhauer seines Vertrauens, Käse von einem 21-jährigen Enthusiasten und so weiter.

Beetroot & Mackerel war leider schon aus, Steak & Ale und Pork & Yellow Turtle Bean auch, Chicken & Chorizo gab’s noch, saftig, heiß, herrlich (€ 4,90). Und Triple Cheese auch alles andere als fad (€ 4,70). Und ja, das schwarze Stout passt da ganz schön gut und der herbe Perry’s Premium Farmhouse Vintage Cider auch. Super Laden.

Resümee:

Engländer können großartig heiße, üppige Pies backen. Einer von ihnen macht das jetzt erfreulicherweise auch in Wien, in der Zollergasse.

Cornwall Pasty Pirates
7., Zollerg. 2, Tel. 01/19 69 36 77,
Mo–Sa 10–19.30 Uhr, www.pastypirates.at


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