Das Nestroyfieber ist ausgebrochen

"Lumpazigeist, Höllenangst, Umsonst" - das Theater im Bahnhof mixt Nestroy und mischt das Schauspielhaus auf

Lexikon | Hermann Götz | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Mit einer Regie am Wiener TAG ("Der diskrete Charme der smarten Menschen") hat Ed Hauswirth den Nestroypreis für die beste Off-Theater-Produktion eingefahren, mit dem Theater im Bahnhof tritt er nun an, das Schauspielhaus zu erobern: Ausgerechnet der Nestroy-Abend "Lumpazigeist, Höllenangst , Umsonst" ist die erste TiB-Produktion, die hier für die große Bühne entwickelt wird. Zuletzt hatte man mit "Lehrerzimmer 8020" so großen Erfolg, dass die Produktion von der Probebühne ins Haupthaus verlegt wurde, nun startet das "zeitgenössische Volkstheater" des TiB gleich dort.

"Wir haben nach einem Projekt für die große Bühne gesucht", räumt TiB-Regisseur Helmut Köpping ein, von dem die Idee zu der Produktion stammt. "Nestroy hat sich angeboten, weil er unserem Theaterzugang entgegenkommt und zugleich in diesen Raum passt." Hauswirth ergänzt: "Nestroys Stücke sind wie unsere Arbeit von der Praxis der Montage inspiriert." Den Rahmen für das TiB'sche Montageverfahren bildet ein Polterabend. Und zwar jener des Oberrichters Thurming aus "Höllenangst". Dort treffen zahlreiche Nestroy-Figuren aufeinander. Ein gewöhnlich gestricktes Komödienmedley darf man sich nicht erwarten, da sind sich Köpping und Hauswirth, die gemeinsam Regie führen, einig. "Der Abend ist unsere Aneignung des Kosmos Nestroy", so Hauswirth. Im Zentrum dieser Aneignung steht das Motiv der Männerfreundschaft. Ein Beziehungsphänomen, das in all seinen Facetten beleuchtet werden soll: in sehr menschlichen oder auch unmenschlichen Ausprägungen, privat, politisch, österreichisch. Gezeigt wird, so Hauswirth, "das politische Bild einer österreichischen Männergesellschaft".

Es spielt das unschlagbare TiB-Ensemble, verstärkt durch Matthias Ohner und fünf Herren aus dem Schauspielhaus. Musikalische Unterstützung kommt von den drei Wienerlied-Virtuosen des Kollegium Kalksburg. Das verspricht eine Menge schräger Töne im großen Haus.

Schauspielhaus, Graz, Sa 19.30 (Premiere)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige