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Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Graz heftete sie sich 28 Jahre lang auf die Fahnen: die einzige Unabhängige Frauenbeauftragte Österreichs. Die erste, die legendäre Grete Schurz, trägt den Ehrenring der Stadt. Nun ist aber Schluss. Frauenstadträtin Martina Schröck (SPÖ) will stattdessen eine niederschwellige Ombudsstelle einrichten. Die letzte Beauftragte; Maggie Jansenberger, habe zu wenige Beratungen durchgeführt und damit ihre Kernaufgabe nicht erfüllt.

Das ist Schröcks Interpretation, sie ist aber überhaupt nicht zwingend. In der Stellenbeschreibung stand die Einzelberatung als wichtiger Punkt, es war aber auch von Vernetzung, Problemanalyse und PR die Rede. Für die Öffentlichkeit entstand nun der Eindruck, Jansenberger hätte Däumchen gedreht, doch damit täte man ihr grob unrecht. Dass die Beratung nicht ihr Hauptfeld war, überrascht nicht, gibt es doch hochspezialisierte Beratungseinrichtungen für verschiedenste Themen. Daher ist auch der Bedarf an einer neuen, allgemeinen Ombudsfrau, die erst bekannt werden muss, fraglich, zumal diese nur einen freien Dienstvertrag über 20 Stunden bekommt.

Weiterhin Bedarf besteht jedoch an Vernetzung und klugem Lobbying, und das hat Jansenberger gemacht: durch Kunstprojekte, Veranstaltungen, Expertisen. Sie hat die österreichweit erste Watchgroup gegen sexistische Werbung mitbegründet, Wien und Salzburg folgten dem Beispiel. An Fällen mangelt es nicht, man denke nur an die Ursprung Buam mit ihrem Online-Spiel, bei dem man einer nackten Frau eine geplatzte Lippe schlagen konnte. Natürlich steht es der Frauenstadträtin frei, die Beauftragte abzuschaffen. Verloren geht damit aber eine wichtige Stimme; was gewonnen wird, ist unklar.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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