Der Kalte

Profiteur des Putinglamour: eine Begegnung mit dem Moskauer Bestsellerautor Sergej Minajew

Feuilleton | Porträt: Erich Klein | aus FALTER 47/14 vom 19.11.2014

Sergej Minajew eilt der Ruf voraus, das Arschloch der zeitgenössischen russischen Literatur zu sein. Wobei der Umstand, dass der Moskauer Bestsellerautor, Radio-und Fernsehmoderator, der zur Premiere seines Stücks "Seelenkalt" angereist ist, im Do-&-Co-Hotel abgestiegen ist, allein natürlich noch nichts besagt.

Allerdings wirkt der 41-Jährige - Styling: Dreitagebart, müder Blick, Maßschuhe - ein wenig gelangweilt: "Worüber sollen wir sprechen?"

"Über Leben und Tod!" Die Anspielung entlockt dem gelernten Historiker ein Grinsen. Das Zitat soll im Verlauf eines Telefongesprächs gefallen sein, in dem Stalin sich 1937 bei dem Schriftsteller Boris Pasternak über dessen unbotmäßigen Kollegen Osip Mandelstam erkundigte.

Mandelstam wurde seinerzeit in den Gulag verschickt und starb dort. Sergej Minajew, dem die Problematik von Schriftsteller und Staatsmacht nicht ganz fremd ist, nickt kokett. "Auch bei mir war es eine Frage nach Leben und Tod, als ich den Roman ,Seelenkalt' schrieb", erklärt


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